Freitag, 31. August 2007

 

Marktgeschrei

Nachdem ich mich auf dem Weg der Besserung befinde (Amoeben und Parasiten
wurden von Dr. David erst einmal ausgeschlossen), kann ich Euch diesmal von
etwas anderem berichten.

Was fuer den Europaer der Supermarkt ist, ist fuer den Aethiopier vermutlich
der normale Markt. An zwei Tagen in der Woche (mittwochs und samstags),
findet sich ganz Dembi und Umgebung im Zentrum der Stadt ein. Durch die
ueberfuellten Strassen draengen sich Menschen und Vieh (wahrscheinlich auch
Floehe!). Es herrscht ein heiden Laerm, in etwa so, als ob Deutschland
Weltmeister geworden waere.
Will man auf dem Markt etwas kaufen, dann muss man sich zuerst einmal
orientieren. Denn obwohl der Markt strikt nach Verkaufsangebot sortiert ist
(sprich Obst, Gemuese, Textilien und Klimbim) wird es doch nicht so strikt
eingehalten. So sitzt schon mal ein zum Verkauf angebotenes Huhn neben einer
Frau die ranzige Butter an den Mann bringen will (und die Menschen hier sind
ganz wild darauf) und einem Berg an Bohnen. Bohnen, Mais und Kohl sind
uebrigens die Verkaufsschlager. Kann sich halt jeder leisten.
Hat man sich dann erst einmal zurecht gefunden (was mir bei der ganzen
Menschenmenge schon ganz schoen viel Schwierigkeiten bereitet hat), fiel
einem dann doch auf, dass zwar viele Leute etwas anboten, doch eigentlich
alle nur dasselbe. Lustigerweise alle auch noch auf dieselbe Art und Weise.
Entweder auf dem Boden oder an einem Stand wurden kleine Haeufchen von
Kartoffeln, Zwiebeln, Chillischoten usw. gebildet, die man dann kaufen
konnte. Also war die zweite Handlung nach der Orientierung, das ueberpruefen
der Ware und natuerlich der knallharte Priesvergleich. Letzteres war dann
doch nicht so knallhart, denn die Ware wird insgesamt recht billig
angeboten. Ausser man ist auf der Suche nach Rariteten. Und davon gibt es
hier sehr viele! Pfeffer ist z.B. ein kostbares und seltenes Gut, wo es dann
auch schon mal fuer den europaeischen Geldbeutel lohnt zu handeln.
Am Gewuerzstand riecht es auf dem Markt uebrigens am besten, da der
wohlgeruch des Ingwers und des Kuemmels andere ueble Gerueche wie Schweiss,
Kaesemaucken, laenger nicht gewaschene Kleidung und Tiermist zumindest etwas
uebertuencht. Bei dem ganzen Gedraenge von Mensch und Tier ist dem aber
schlecht aus dem Weg zu gehen. Zumal die Esel, Ziegen, Kuehe und Schafe ihr
Geschaeft ueberall verrichten. Die Menschen zumindest ein wenig Abseits des
ganzen Trubels.
Die Ueberpruefung der Ware lohnt sich hingegen wirklich. Wollen einige
kleine und runzlige Kartoffeln anbieten, haben andere schoene runde und
dicke Kartoffeln. Etwa so wie mit Edeka und Aldi. Da faellt die Auswahl
nicht schwer!
Bei dem ganzen bunten und froehlichem Treiben, fiel mir auch etwas nicht so
schoenes und trauriges auf. Neben den zahlreichen armen Leuten und Bettlern
(daran muss ich mich hier sowieso gewoehnen), war dies, dass dummerweise
Hilfsprodukte der USA, die nicht zum Verkauf angeboten werden duerfen (steht
natuerlich nur kleingedruckt und auf Englisch auf der Buechse) verkauft
werden, wie z.B. Oel in 5-Liter Kanistern. Das drueckt natuerlich die
Oelpreise fuer die Bauern aus der Umgebung und schaedigt ihr Einkommen. Ein
Teufelskreis…
Insgesamt gesehen war es aber eine sehr schoene Erfahrung, die ich morgen
wieder erleben darf, denn mein Kuehlschrank ist leer. Dann werde ich wieder
einen halben Tag oder laenger auf dem Markt verbringen. Ob ich diese Zeit
aber auch noch haben werde wenn die Schule anfaengt? Ich werde Euch auf dem
Laufendem halten.












Dienstag, 28. August 2007

 

Arztbesuch

Eigentlich wollte ich Euch heute etwas von meinen letzten Erkundungen in der
Stadt erzaehlen, doch aus gebenem Anlass aender ich das Thema: ich bin
naemlich krank.
Nun mag man denken, was will er darueber nur berichten, waren wir alle doch
schonmal krank und lagen im Bett. Doch kann man hier in Dembi auch beim
Krank sein unfreiwillig eine Menge erleben, ausser einer geballten Portion
Langeweile. Das gehoert aber halt eben zum Krank sein dazu.
Es gibt zwei Probleme, entweder mein Magen vertraegt die taegliche
aethiopische Hauptspeise Budena (extreme saure Teigfladen), Kohl, Kohl und
nochmal Kohl nicht oder ich habe mir (so Martins Vermutung) ueber unsauberes
Trinwasser oder nicht richtig abgekochten Kohl Amoeben eingefangen. Auf
jeden Fall rebelliert mein Magen in einem regelmaessigen Abstand von zwei
Tagen mit Schmerzen, Erbrechen und Durchfall gegen jedwege Nahrungsaufnahme,
sodas ich mittlerweile sehr gute Bekanntschaft mit der Toilettenschuessel
gemacht habe. Da dies zum einen nicht so viel Spass macht und mich zum
anderen von all den Dingen abhaelt warum ich eigentlich hierher gekommen
bin, habe ich mich entschlossen den oertlichen Arzt Dr. David aufzusuchen.
Ausgerustet mit einem Woerterbuch (fuer med. Fachvokabeln), Einwegkanuelen
(man weiss ja nie auf was fuer eine Idee ein Arzt kommt) und einer
randvollen Stuhlprobe in einer Fotodose, ging es heute morgen zum Onkel
Dok..
Nach 20 Minuten Fussweg kamen wir (Dabala und ich) an und die Praxis, ein
altes Haus mit einem Wartezimmer wo zwei Baenke und ein Schreibtisch
standen, einem Behandlungsraum und einem Labor, war offen und leer. Also
gingen wir wieder nach Hause.
Als wir dann mittags wieder kamen, war das Haus proppe voll. Maenner, Frauen
und Kinder teilten sich irgenwie die zwei Baenke im Wartezimmer oder standen
ungeduldig vorm Behandlungsraum. Nachdem ich mich angemeldet und 10 Birr
gezahlt hatte, ging ich aufgrund des Wohlgeruchs im Wartezimmer lieber
wieder vor das Haus an die frische Luft.
Finde ich meine Hautfarbe hier eigentlich eher hinderlich (ich bin halt wie
das Gluehwuermchen in der Nacht und falle immer und zu jeder Zeit auf) kam
es mir diesmal zu gute weiss zu sein. Ich kam naemlich recht schnell dran.
Eigentlich finde ich dies nicht richtig (ich bin ja nichts Besonderes), aber
wenn es einem nicht so gut geht, freut man sich schon darueber.
Im Behandlungsraum lernte ich dann den Doktor kennen, der sogar ein kleines
wenig deutsch sprach. Ihm gab ich die Stuhlprobe und nach dem
Blutdruckmessen und einer kurzen Anamnese (Wo wohnst Du in Deutschland und
kennst Du Hannover?) durfte ich auch schon wieder gehen. Den Stuhl koenne er
zur Zeit nicht untersuchen, da ELPA mal wieder keinen Strom liefere. Also
ging es wieder ab nach Hause, wo dann wieder die geballte Portion Langeweile
auf mich wartete.
Abends um 7 Uhr, als sich ELPA wieder entschied Strom zu liefern, ging es
diesmal mit der Taschenlampe bewaffnet ueber die dunkelen Strassen Dembis
(Laternen sind Mangelware) zur Praxis. Dort angekommen, war es diesmal noch
voller als zuvor. Als ich dann an die Reihe kam, wieder schneller als die
Anderen, sagte mir der Arzt als er gerade zehn Patienten gleichzeitig
behandelte, er koenne den Stuhl jetzt nicht mehr auf Amoeben oder Parasiten
untersuchen, da er von heute morgen und deshalb schon viel zu alt sei. Ich
solle ihm deshalb sofort eine neue bringen, man muesse halt die Zeit des
Stroms ausnutzen. Sein Assistant gab mir eine Pappe fuer die Probe in die
Hand und zeigte mir hinter dem Haus ein Loch. Danach verschwand er wieder.
Jegliche Anstrengung scheiterte. Ich konnte einfach nicht. Ich machte also
einen neuen Termin fuer morgen frueh und ging diesmal freiwillig nach Hause.
Neben der noch ungeklaerten Ursache fuer meine staendige Uebelkeit habe ich
mir zu allem Ueberfluss auch noch ein paar neue Mitbewohner eingefangen,
naemlich einen ganzen Sack voll Floehe. So wird mir wenigstens nicht allzu
langweilig im Bett. Ob diese allerdings einfacher zu hueten sind als eine
Klasse voll 80 Schueler, werde ich Euch die Tage wissen lassen.
Den Humor habe ich bis jetzt noch nicht verloren!
Morgen steht erst einmal mindestens ein neuer Arztbesuch an und danach muss
ich irgendwie versuchen die verdammten Floehe loszuwerden. Es gibt also viel
zu tun, ich hoffe nur mein Magen spielt mit.
Bis die Tage:
Hanno





Donnerstag, 23. August 2007

 

Baga nagaan dhuftani

So wurde ich seit meiner Ankunft hier in Dembi von all den netten und
sympathischen Aethiopiern begruesst. Dabei gibt man sich die Hand, beugt
sich ein wenig vor, sodass sich die Schultern der Begruessenden gegenseitig
beruehren. Dabei spricht man mindestens 10x – wobei 10x noch selten ist –
die Begruessungsfloskeln Baga nagaan dhuftani und Baga nagaan egdani.
Eigentlich eine recht nette Sitte, doch kann ein Stadtbesuch mit jemandem
der halb Dembi kennt, so ganz schoen lange dauern.
Zum Stadtkern brauche ich vom Compound aus zu Fuss ca. 30 Minuten. Deshalb
denke ich gerade darueber nach, ob ich mir nicht einen Drahtesel anschaffe.
Auf dem Weg zum Stadtkern – einem Kreisel umgeben von einem
Altreifenhaendler, der Post, einem Musikladen (der alle Personen ausserhalb
des Ladens mit seiner Musik bedroehnt) und ein paar kleineren Laeden – komme
ich ueber einem Lehmweg an einigen Haeusern, dem oertlichen Krankenhaus und
einigen Kiosken vorbei.
Das Hauptverkehrsmittel auf Dembis Strassen ist uebrigens der Lastesel.
Dieser darf vor allem Feuerholz und Wasser tragen. Wenn man allerdings nicht
im Besitz eines so teuren gutes ist, muss man Holz und Wasser halt selber
transportieren. Dies ist dann hauptsaechlich Kinder- und Frauenarbeit. Das
Holz findet man im Wald, wohingegen – soweit ich weiss – ein Brunnen
(gestiftet von der “Glimmer of Hope Foundation”) all diejenigen versorgt,
die kein fliessend Wasser haben. Der Menge nach zu urteilen die vor dem
Brunnen Schlange stand, muessen dies viele Haushalte sein.
Neben dem Compound, der “Innenstadt” und meiner Schule (darueber werde ich
euch aber mehr erzaehlen, wenn die Schule in knapp drei Wochen beginnt) gibt
es hier in Dembi auch noch den Compound der weiterfuehrenden Schule. Zu
diesem brauche ich ueber Schleichwege, berauf und bergab ca. 20 Minuten
(aethiopisches Schritttempo). Dort findet man neben den Schulgebaeuden auch
Sportanlagen, wie einen Fussball- und Basketballplatz sowie ein
Volleyballfeld. Dort werde ich vermutlich demnaechst erst einmal meine Tage
verbringen, soweit ich nicht wegen einer weiteren Magenverstimmung den Tag
auf dem Klo sitze.
Zur Zeit mache ich eigentlich recht viel mit meinen Nachbarn Itaffa, Lalissa
und Dabala, die mich immer wieder zum Kaffee und Essen einladen. Erfahren
gibt es von ihnen viel ueber die Kultur und Lebensweise der Oromos und von
ihnen lerne ich auch ein paar Brocken der Weltsprache Oromiffa.
Ansonsten vertreibt man sich schon irgendwie die Zeit mit Lesen, Schlafen
und Gitarre spielen. Hausarbeit und Einkaufen faellt auch immer wieder an
und kann auch schon mal laenger dauern, wenn man auf all die
Annehmlichkeiten von zu Hause verzichten muss. (Wie sehr vermisse ich schon
jetzt den Spar um die Ecke der Einstein 10!).
Ansonsten freue ich mich schon wenn die Schule bald beginnt.
Wer haette das wohl jemals gedacht?!

PS.: Ich freue mich sehr ueber die zahlreichen Beitraege auf dem Blog und
hoffe, dass es noch mehr werden. Doch leider kann ich euch nicht immer
antworten, da das Internet hier sehr langsam ist und ich die meiste Zeit die
mir im Netz zur Verfuegung steht, damit verbringe den Text zu schreiben und
die Bilder hochzuladen. Dies ist fuer euch ja eigentlich auch das
Interessanteste. Ich danke fuer euer Verstaendnis und seid mir deshalb nicht
boese, wenn ihr hauptsaechlich ueber den Blog von mir hoert.
Danke auch fuer all die lieben Geburtstagswuensche.
Liebe Gruesse:
Hanno






Montag, 20. August 2007

 

Zuhause

Zuhause

Ich wohne hier auf dem Compound in einem alten Backsteinhaus. Im vergleich
zu anderen Gebaeuden Haeusern und Huetten hier, kann ich nicht klagen, denn
insgesamt scheint es in einem guten Zustand zu sein. (Wenn man mal davon
absieht, dass hin und wieder der Putz von der Decke kommt!)
Mir steht die 1. Etage mit einer Wohnkueche, einem Schlafzimmer, einem Bad
und sogar einem Balkon zur Verfuegung. Letzterer befindet sich zwar in einem
marodem Zustand, aber was will man machen?!
Das Schlafzimmer ist gut ausgeruestet, mit einem grossen Bett, einem
Nachttisch, Schrank und einer Arbeitsecke, habe ich eigentlich alles was ich
brauche. Die Wohnkueche ist o.k. Der Kuehlschrank funktioniert (stinkt
aber), doch zum kochen sind recht wenig Utensilien vorhanden, naemlich genau
ein Kochtopf. Den Rest musste ich selber kaufen. Doch warum kochen, werde
ich doch zur Zeit von der Koechin meines Nachbarn, Itaffa, mitversorgt. Bis
jetzt gab es hauptsaechlich gekochten Kohl, Reis und Brot. Von Itaffa become
ich auch immer frisches Trinkwasser, denn mein Wasserfilter ist kaput. Muss
ich mich die Tage wohl mal beschweren. Des Weiteren gibt es noch einen
elektrischen Herd den man dummerweise bei Stromausfall nicht benutzen kann
(ELPA ist halt nicht sonderlich zuverlaessig) und einen Gasherd, an dem aber
keine Gasflasche angeschlossen ist. Vielleicht wird sich das die tage noch
aendern!
Das Bad ist gepraegt von einer Toilettenschuessel (ueber de rich in meiner
ersten Nacht hier auch einen wunderbaren Brechdurchfall ueberstehen durfte),
deren Spuelung nicht richtig funktioniert, einer Dusche bei der der
wasserhahn kontinuierlich tropft (es sei denn es gibt mal wieder kein
fliessen Wasser) und be idem sich alle Fussnaegel hochrollen, einem
waschbecken und einer Scherbe, die sich mal Spiegel nannte.
Ein paar Mitbewohner habe ich auch schon, hauptsaechlich Fliegen und
Ameisen.
Alles in allem bin ich aber zufrieden, habe ich es als Freiwilliger doch
viel besser getroffen als viele Aethiopier, die hier ihr ganzes Leben
verbringen und von solch einem Luxus nur traeumen koennen.
Fortsetzung folgt!










Freitag, 17. August 2007

 

Von Addis nach Dembi

Nachdem ich in Addis noch ein paar Lebensmittel besorgt hatte, die es in Dembi nicht gibt (z.B. Orangen) und am Flughafen meine Gitarre auf einem riesigen Gepaeckhaufen wiedergefunden hatte, konnte es am naechsten morgen in aller frueh Richtung Westen auf die Reise gehen.
Mit einem voll beladenen Jeep ging es dann erst einmal durch ueberfuellte Strassen nach Ambo.

Diese Strecke konnte man richtig geniessen, denn es handelte sich um eine gut geteerte Landstrasse durch aethiopiens Hochland. Gruene Landschaften zierten die Kulisse und an den Berghaengen trieben junge Menschen Sport. Dies allerdings nicht aus gesundheitlichen Gruenden, sondern um sich auf Mittel- und Langstreckenwettkaempfe vorzubereiten. Eine gute Moeglichkeit fuer Aethiopier dem Schicksal der Armut zu entfliehen.
Nach Ambo verschlechterten sich die Strassenverhaeltnisse rapide. Es handelte sich zwar immer noch um Teerstrassen, doch wurden die zuvor vereinzelten Schlagloecher immer haeufiger. Mit einem Jeep mit Allradantrieb macht das aber gar nichts. Auf unserem Weg kamen wir bergauf und bergab immer wieder an kleineren und groesseren Doerfern und Staedten vorbei, die anfangs noch durch Steinhaeuser und spaeter mehr durch Rundhuetten gepraegt waren.

Die Landstrasse, die immer quer durch die Doerfer oder Staedte fuehrte, war voll von Menschen und wenn man sich auf der Strasse zwischen den Doerfern und Staedten befand, musste man immer noch auf ueberquerende Menschen, Kuehe, Ziegen und Esel achten, die ploetzlich aus dem Niergendwo auftauchten.
Je weiter westlich wir kamen, desto groesser wurden die Schlagloecher, sodass man selbst mit einem allradbetriebenem Jeep Probleme bekam, und um so seltener wurden die Doerfer und besonders die Staedte. Wenn man hin und wieder doch mal ein Dorf passierte, arbeiteten dessen Bewohner zumeist auf den umliegenden Feldern oder schlugen irgendwie die "Zeit tot". In manchen Doerfern spielten die Kinder am Strassenrand Tischtennis oder sogar Kicker. Kuehe, Esel, Schafe und Ziegen blockierten aber immer wieder unseren Weg, da sich niemand fuer diese verantwortlich fuehlte. So wiederholte sich das Bild auf unserer langen fahrt immer wieder.

Nach knapp zwoelf Stunden Fahrt erreichten wir kurz vor Sonnenuntergang unser Nachtquartier in Aira. Dort uebernachteten wir in einer Missionsstation wo einige Finnen wohnen, sodass ich am Abend noch in den Genuss einer Sauna kam. Denn wo die Finnen sind, ist die Saune nicht fern, auch nicht in Aethiopien.

Am naechsten Morgen ging es schon wieder weiter. Dummerweise hatte es die ganze Nacht buchstaeblich aus Eimern gegossen, sodass unsere Fahrt, nun auf Schlammwegen, noch beschwerlicher wurde. Zwischendurch gab es zwar noch einmal 80km frisch asphaltierte Strasse, doch was sind schon 80 km.
Kurz vor Ende unserer Reise versagt auf einer holprigen Schotterpiste auch noch ein Reifen. Gluecklicherweise regnete es aber nicht, sodass der Reifen schnell gewechselt war. Da uns dieses Missgeschick kurz hinter einem Dorf passierte, dauerte es auch nicht lange und wir hatten die Haelfte der Dorfbewohner als Zuschauer. Helfen wollte allerdings niemand.

Nach unserer unfreiwilligen Pause erreichten wir auch schon bald Dembi Dollo, natuerlich diesmal im Regen.

Bei Angela und Martin gab es dann noch Mittagessen - Budena, das aethiopische Nationalgericht aus sauren Teigpfladen, einer Chillisauce, gekochtem Huhn und Reis - bevor es es dann zu meinem neuen Zuhause auf dem Compound der Western Wollega Mekane Yesus Church ging, wo ich den kommenden fuenf Monate auch Englisch unterrichten werden. Hiervon aber die Tage mehr...

Mittwoch, 15. August 2007

 

Angekommen

Nach zwei recht angenehmen Fluegen mit Emirates, erwartete mich am Internationalen Flughafen von Addis Abeba die erste Ueberraschung. Von zwei aufgegebenen Gepaeckstuecken (ein Rucksack und eine Gitarre) kam nur eines von beiden an. So muss ich halt mit dem Gitarre spielen noch etwas warten. Ich hoffe nur nicht so lange bis ich wieder Zu Hause bin.
Ausserhalb des Flughafens erwartete mich, was ich mir bereits vor meiner Reise bildlich vorgestellt hatte: reges Treiben auf ueberfuellten Strassen, wo jeder Autofahrer nur seine eigenen Regeln kennt. Zwischen zerbeulten Jeeps und ueberfuellten Kleinbussen, bei denen sich oftmals aufgrund der Menge der Passagiere nicht einmal alle Tueren schliessen liessen, quetschten sich Fussgaenger, Esel und Ziegen hindurch. Die gesamte Situation erinnerte an einen Basar mit ganz verschiedenen Farben und Dueften. Apropos Duefte, grosse und klapprige Lkw's zogen tiefe schwarze Wolken hinter sich her, die einen nur schwer atmen liessen.
Gepraegt war alles allerdings, zumindest aus den Augen des westlichen Betrachters, von einer erschreckenden Armut. Kaputte Teerstrassen mit riesigen Schlagloechern, zusammengeschusterte Huetten am Strassenrand vor denen bettelnde Menschen mit dreckiger Kleidung sassen.

Man glaubt gar nicht, wie schlimm es ist, einfach so an ihnen vorbeizufahren oder an einer roten Ampel die Fenster des Autos schliessen zu muessen, wenn sie zu aufdringlich nach Geld oder Essen betteln.
Unweit dieser Szenerie war das Sheraton gelegen, wessen prunkvoll und riesieg anmutende Gestalt ueber allem zu wachen schien. Arm und Reich verwoben sich zu einem Ganzen, was sich Addis Abeba nennt.
Angekommen im Guest House, einer ruhigen und gruenen Oase innerhalb Addis, konnte ich erst einmal vor dem beginnenden Regen ins Trockene fluechten. Ja, denn hier in Aethiopien ist gerade Regenzeit, was sich am besten mit herbstaehnlichen Verhaeltnissen beschreiben laesst: viel, viel Regen und Kaelte!
Den Rest des Tages konnte ich gut entspannen, das Guest House erkunden, etwas essen und am Abend bei einem aethiopischen Wein - gepraegt mit dem Siegel der DDR (Aethiopiens vergessene sozialistische Vergangenheit)-, mit Martin und Angela, zwei deutschen Entwicklungshelfern, ueber ihre bisherigen Erlebnisse und die Situation im Lande plaudern.
Hin und wieder wurde die Ruhe durch die Gesaenge der Muizine erhellt, dessen Klaenge durch die Strassen und Gassen der Stadt zogen. Oder wie gerade jetzt, durch die froehliche Musik und dem aufbrausendem Schreien eines Gottesdienstes: Halleluja - Amen! Halleluja - Amen! Halleluja - Amen!
Jetzt muss ich mich aber erst einmal auf den Weg machen und ein paar Dinge besorgen, u.a. versuchen meine Gitarre wieder zu bekommen, bevor es morgen in aller fruehe auf den Weg nach Dembi Dollo geht.

Freitag, 10. August 2007

 
Adeemmii!

Dies bedeutet Aufbruch bzw. Abschied in der Stammessprache der Oromos. Und genau dort geht es heute hin, ins Land der Oromos. Doch bis ich dort ankommen werde, ist es noch ein weiter (und wahrscheinlich auch beschwerlicher) Weg. Von Frankfurt aus fliege ich zuerst einmal nach Dubai und von dort geht es nach ein wenig Aufenthalt weiter in Richtung Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. In Addis werde ich dann vermutlich ein paar Tage bleiben, bevor mich mein Weg weiter zum Ziel nach Dembi Dollo führt. Zwar nur 650 km entfernt, dafür der längste Teil des Weges, nämlich 2 Tage Fahrt. Ich lass mich mal überraschen…
Bis zum nächsten Eintrag liebe Grüße an Euch alle:
Hanno
Ps.: „Sei nicht verzweifelt, wenn es um`s Abschiednehmen geht. Ein Lebewohl ist notwendig, ehe man sich wieder sehen kann. Und ein Wiedersehen – sei es nach Augenblicken, sei es nach Lebzeiten – ist denen gewiss, die Freunde sind.“ (aus „Illusionen“ von Richard Bach)
PPs.: Für die aufmerksamen Leser die erkannt haben, dass dieser Eintrag zu der Zeit im Internet erscheint, wenn ich schon einige tausend Meter über der Erde im Flugzeug sitze, meine Freundin Juliane hat diesen Eintrag hochgeladen.




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