Dienstag, 28. August 2007

 

Arztbesuch

Eigentlich wollte ich Euch heute etwas von meinen letzten Erkundungen in der
Stadt erzaehlen, doch aus gebenem Anlass aender ich das Thema: ich bin
naemlich krank.
Nun mag man denken, was will er darueber nur berichten, waren wir alle doch
schonmal krank und lagen im Bett. Doch kann man hier in Dembi auch beim
Krank sein unfreiwillig eine Menge erleben, ausser einer geballten Portion
Langeweile. Das gehoert aber halt eben zum Krank sein dazu.
Es gibt zwei Probleme, entweder mein Magen vertraegt die taegliche
aethiopische Hauptspeise Budena (extreme saure Teigfladen), Kohl, Kohl und
nochmal Kohl nicht oder ich habe mir (so Martins Vermutung) ueber unsauberes
Trinwasser oder nicht richtig abgekochten Kohl Amoeben eingefangen. Auf
jeden Fall rebelliert mein Magen in einem regelmaessigen Abstand von zwei
Tagen mit Schmerzen, Erbrechen und Durchfall gegen jedwege Nahrungsaufnahme,
sodas ich mittlerweile sehr gute Bekanntschaft mit der Toilettenschuessel
gemacht habe. Da dies zum einen nicht so viel Spass macht und mich zum
anderen von all den Dingen abhaelt warum ich eigentlich hierher gekommen
bin, habe ich mich entschlossen den oertlichen Arzt Dr. David aufzusuchen.
Ausgerustet mit einem Woerterbuch (fuer med. Fachvokabeln), Einwegkanuelen
(man weiss ja nie auf was fuer eine Idee ein Arzt kommt) und einer
randvollen Stuhlprobe in einer Fotodose, ging es heute morgen zum Onkel
Dok..
Nach 20 Minuten Fussweg kamen wir (Dabala und ich) an und die Praxis, ein
altes Haus mit einem Wartezimmer wo zwei Baenke und ein Schreibtisch
standen, einem Behandlungsraum und einem Labor, war offen und leer. Also
gingen wir wieder nach Hause.
Als wir dann mittags wieder kamen, war das Haus proppe voll. Maenner, Frauen
und Kinder teilten sich irgenwie die zwei Baenke im Wartezimmer oder standen
ungeduldig vorm Behandlungsraum. Nachdem ich mich angemeldet und 10 Birr
gezahlt hatte, ging ich aufgrund des Wohlgeruchs im Wartezimmer lieber
wieder vor das Haus an die frische Luft.
Finde ich meine Hautfarbe hier eigentlich eher hinderlich (ich bin halt wie
das Gluehwuermchen in der Nacht und falle immer und zu jeder Zeit auf) kam
es mir diesmal zu gute weiss zu sein. Ich kam naemlich recht schnell dran.
Eigentlich finde ich dies nicht richtig (ich bin ja nichts Besonderes), aber
wenn es einem nicht so gut geht, freut man sich schon darueber.
Im Behandlungsraum lernte ich dann den Doktor kennen, der sogar ein kleines
wenig deutsch sprach. Ihm gab ich die Stuhlprobe und nach dem
Blutdruckmessen und einer kurzen Anamnese (Wo wohnst Du in Deutschland und
kennst Du Hannover?) durfte ich auch schon wieder gehen. Den Stuhl koenne er
zur Zeit nicht untersuchen, da ELPA mal wieder keinen Strom liefere. Also
ging es wieder ab nach Hause, wo dann wieder die geballte Portion Langeweile
auf mich wartete.
Abends um 7 Uhr, als sich ELPA wieder entschied Strom zu liefern, ging es
diesmal mit der Taschenlampe bewaffnet ueber die dunkelen Strassen Dembis
(Laternen sind Mangelware) zur Praxis. Dort angekommen, war es diesmal noch
voller als zuvor. Als ich dann an die Reihe kam, wieder schneller als die
Anderen, sagte mir der Arzt als er gerade zehn Patienten gleichzeitig
behandelte, er koenne den Stuhl jetzt nicht mehr auf Amoeben oder Parasiten
untersuchen, da er von heute morgen und deshalb schon viel zu alt sei. Ich
solle ihm deshalb sofort eine neue bringen, man muesse halt die Zeit des
Stroms ausnutzen. Sein Assistant gab mir eine Pappe fuer die Probe in die
Hand und zeigte mir hinter dem Haus ein Loch. Danach verschwand er wieder.
Jegliche Anstrengung scheiterte. Ich konnte einfach nicht. Ich machte also
einen neuen Termin fuer morgen frueh und ging diesmal freiwillig nach Hause.
Neben der noch ungeklaerten Ursache fuer meine staendige Uebelkeit habe ich
mir zu allem Ueberfluss auch noch ein paar neue Mitbewohner eingefangen,
naemlich einen ganzen Sack voll Floehe. So wird mir wenigstens nicht allzu
langweilig im Bett. Ob diese allerdings einfacher zu hueten sind als eine
Klasse voll 80 Schueler, werde ich Euch die Tage wissen lassen.
Den Humor habe ich bis jetzt noch nicht verloren!
Morgen steht erst einmal mindestens ein neuer Arztbesuch an und danach muss
ich irgendwie versuchen die verdammten Floehe loszuwerden. Es gibt also viel
zu tun, ich hoffe nur mein Magen spielt mit.
Bis die Tage:
Hanno





Kommentare:
Moin Hanno...

Na das klingt ja wirklich alles mal nicht all zu gut. Ich hoffe mal, dass Du bald wieder auf'm Damm bist. Wünsche Dir zumindest gute Besserung.

Gruß

Ramon
 
Hallo Hanno,
wünsch dir auch gute Besserung.
Gruß Sandy
 
Servus Hanno,

na mei da hat's dich ja voll erwischt...
Auf das es dir bald besser geht.
Gruß Tina
 
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