Freitag, 31. August 2007

 

Marktgeschrei

Nachdem ich mich auf dem Weg der Besserung befinde (Amoeben und Parasiten
wurden von Dr. David erst einmal ausgeschlossen), kann ich Euch diesmal von
etwas anderem berichten.

Was fuer den Europaer der Supermarkt ist, ist fuer den Aethiopier vermutlich
der normale Markt. An zwei Tagen in der Woche (mittwochs und samstags),
findet sich ganz Dembi und Umgebung im Zentrum der Stadt ein. Durch die
ueberfuellten Strassen draengen sich Menschen und Vieh (wahrscheinlich auch
Floehe!). Es herrscht ein heiden Laerm, in etwa so, als ob Deutschland
Weltmeister geworden waere.
Will man auf dem Markt etwas kaufen, dann muss man sich zuerst einmal
orientieren. Denn obwohl der Markt strikt nach Verkaufsangebot sortiert ist
(sprich Obst, Gemuese, Textilien und Klimbim) wird es doch nicht so strikt
eingehalten. So sitzt schon mal ein zum Verkauf angebotenes Huhn neben einer
Frau die ranzige Butter an den Mann bringen will (und die Menschen hier sind
ganz wild darauf) und einem Berg an Bohnen. Bohnen, Mais und Kohl sind
uebrigens die Verkaufsschlager. Kann sich halt jeder leisten.
Hat man sich dann erst einmal zurecht gefunden (was mir bei der ganzen
Menschenmenge schon ganz schoen viel Schwierigkeiten bereitet hat), fiel
einem dann doch auf, dass zwar viele Leute etwas anboten, doch eigentlich
alle nur dasselbe. Lustigerweise alle auch noch auf dieselbe Art und Weise.
Entweder auf dem Boden oder an einem Stand wurden kleine Haeufchen von
Kartoffeln, Zwiebeln, Chillischoten usw. gebildet, die man dann kaufen
konnte. Also war die zweite Handlung nach der Orientierung, das ueberpruefen
der Ware und natuerlich der knallharte Priesvergleich. Letzteres war dann
doch nicht so knallhart, denn die Ware wird insgesamt recht billig
angeboten. Ausser man ist auf der Suche nach Rariteten. Und davon gibt es
hier sehr viele! Pfeffer ist z.B. ein kostbares und seltenes Gut, wo es dann
auch schon mal fuer den europaeischen Geldbeutel lohnt zu handeln.
Am Gewuerzstand riecht es auf dem Markt uebrigens am besten, da der
wohlgeruch des Ingwers und des Kuemmels andere ueble Gerueche wie Schweiss,
Kaesemaucken, laenger nicht gewaschene Kleidung und Tiermist zumindest etwas
uebertuencht. Bei dem ganzen Gedraenge von Mensch und Tier ist dem aber
schlecht aus dem Weg zu gehen. Zumal die Esel, Ziegen, Kuehe und Schafe ihr
Geschaeft ueberall verrichten. Die Menschen zumindest ein wenig Abseits des
ganzen Trubels.
Die Ueberpruefung der Ware lohnt sich hingegen wirklich. Wollen einige
kleine und runzlige Kartoffeln anbieten, haben andere schoene runde und
dicke Kartoffeln. Etwa so wie mit Edeka und Aldi. Da faellt die Auswahl
nicht schwer!
Bei dem ganzen bunten und froehlichem Treiben, fiel mir auch etwas nicht so
schoenes und trauriges auf. Neben den zahlreichen armen Leuten und Bettlern
(daran muss ich mich hier sowieso gewoehnen), war dies, dass dummerweise
Hilfsprodukte der USA, die nicht zum Verkauf angeboten werden duerfen (steht
natuerlich nur kleingedruckt und auf Englisch auf der Buechse) verkauft
werden, wie z.B. Oel in 5-Liter Kanistern. Das drueckt natuerlich die
Oelpreise fuer die Bauern aus der Umgebung und schaedigt ihr Einkommen. Ein
Teufelskreis…
Insgesamt gesehen war es aber eine sehr schoene Erfahrung, die ich morgen
wieder erleben darf, denn mein Kuehlschrank ist leer. Dann werde ich wieder
einen halben Tag oder laenger auf dem Markt verbringen. Ob ich diese Zeit
aber auch noch haben werde wenn die Schule anfaengt? Ich werde Euch auf dem
Laufendem halten.












Kommentare:
Hallo Kleiner,

schön, dass du so einen tollen Humor hast und du alles doch recht weit von dir wegschieben kannst! Ich hingegen frage mich, ob dies das richtige Reiseziel für meinen Jahresurlaub und MICH ist?! Da muss ich doch noch ein bisschen mehr erfahren und etwas drüber nachdenken! Aber dafür hat es ja auch noch etwas Zeit!
Meine sms zum Geburtstag scheint nicht angekommen zu sein, und dein Telefon lässt mich auch nicht zu dir vordringen :-(
Also, komm mal wieder völlig auf den Damm und denk mal an mich/uns!
Lieben Gruß aus dem verregneten Dortmund!
Anne
 
hey barsissa hanno,
es ist immer so schoen deine beschreibungen zu lesen, weil das erinnerungen weckt, aber irgendwie ist es auch total spannend deine perspektive zu sehen, wie du dinge erlebst und mit deinen augen betrachtest. viel spass beim naechsten markttag. liebe gruesse freida
 
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