Mittwoch, 26. September 2007
Samarroo
Naja, eigentlich wollte ich die Tage ja nach Challja fahren, um dort ein paar Deutsche zu besuchen. Die Tasche war schon gepackt, die Butterbrote geschmiert und das Wasser fuer einen ganzen Tag aufgefuellt. Da es allerdings die ganze Nacht wie aus Eimern geregnet hatte, bin ich am naechsten Morgen um 5 Uhr in der Dunkelheit eher zum Busbahnhof geschwommen als gelaufen. Da der Bus, fuer den Dabala und ich schon Fahrkarten hatten (sein Bruder Arassa war noch frueher aufgestanden, um uns diese zu besorgen), bestueckt war mit Reifen ohne jegliches Profil und ich den klitschnassen Strassen nicht vertraue, entschloss ich mich also wohl oder uebel die ganze Aktion abzubrechen und die Fahrkarten wenigstens noch zur Haelfte des Oeriginalpreises unter den Mann zu bringen. (Auch hier herrscht der Kapitalismus!) Es war zwar schade, aber irgendwie geht die Sicherheit ja doch vor. So muss ich fuer groessere Touren wohl auf die Trockenzeit warten!
Da ich aber jetzt auch schon etwas von Dembis Umgebung sehen und erleben wollte, entschloss ich mich mal den Weg zurueckzulegen, den so viele Menschen immer am Markttag entlang laufen. Ich wollte sowieso schon die ganze Zeit wissen, wo die alle herkommen.
Mein Weg fuehrte mich ueber Stock und Stein auf den ueblichen Lehmstrassen entlang an den schon so vertrauten Feldern, wo Maenner und Frauen arbeiten, in das benachbarte Samarroo. Doch bevor ich dort ankommen sollte, hatte ich bergauf – bergab noch eine gute Stunde Fussweg vor mir. Entlang an einem Fluss an dem Kinder spielten, sich wuschen und Wasser schoepften, hoerte irgendwann der Lehmpfad auf und es ging querfeldein durch Korn- und Maisfelder, bis irgendwann die ersten Huetten mit Strohdach auftauchten. Im Laufe des Weges wurden es immer mehr Huetten vor denen vor allem Ziegen grasten und Kinder spielten. (Es sei an das Ferenjii-Prinzip erinnert!)
Fuehle ich mich doch in Dembi Dollo schon manchmal wie in einem Dorf (die Bezeichnung Stadt ist auch wirklich uebertrieben), befand ich mich nun wirklich im Niergendwo! Neben Huetten, Tieren und ein paar Menschen gab es dort wirklich gar nichts. Hier verbringt also die Dorfbevoelkerung ihr Leben, wenn sie nicht auf den umliegenden Feldern arbeitet oder zweimal die Woche mit vollbeladenen Eseln in Richtung Markt maschiert. Es muss ein hartes Leben sein, ohne jeglichen Komfort und schwerer Arbeit fuer alle Familienmitglieder. Alle Dinge die erwirtschaftet werden, werden wohl hauptsaechlich auf dem Markt verkauft, wobei ich mir gar nicht sicher bin, wofuer man in Samarroo ueberhaupt Geld braucht. Kaufen kann man dort nichts!
Am Ende des Dorfes kam ich an dem wohl faszinierendsten Baum vorbei den ich hier bisher gesehen habe. Dahinter erstreckte sich dann wieder die ganze Weite Aethiopiens, in der ich wahrscheinlich nach ein paar Stunden zu Fuss weitere Doerfer gefunden haette, wo Mensch und Tier in Strohhuetten zusammen leben.
Ich entschied mich aber umzukehren, denn so viel Zeit hatte ich nicht mehr bis zum Sonnenuntergang. Eine Fortsetzung ins Leben der aethiopischen Dorfbevoelkerung folgt aber bestimmt.
Liebe Gruesse:
Hanno
Ps.: Bjoern B., Dir wuensche ich alles, alles Gute zum Geburtstag und einen wunderbaren Start ins Referendariat. Halt die Ohren steif und trink ein Bier fuer mich mit!
LG: Hanno
Da ich aber jetzt auch schon etwas von Dembis Umgebung sehen und erleben wollte, entschloss ich mich mal den Weg zurueckzulegen, den so viele Menschen immer am Markttag entlang laufen. Ich wollte sowieso schon die ganze Zeit wissen, wo die alle herkommen.
Mein Weg fuehrte mich ueber Stock und Stein auf den ueblichen Lehmstrassen entlang an den schon so vertrauten Feldern, wo Maenner und Frauen arbeiten, in das benachbarte Samarroo. Doch bevor ich dort ankommen sollte, hatte ich bergauf – bergab noch eine gute Stunde Fussweg vor mir. Entlang an einem Fluss an dem Kinder spielten, sich wuschen und Wasser schoepften, hoerte irgendwann der Lehmpfad auf und es ging querfeldein durch Korn- und Maisfelder, bis irgendwann die ersten Huetten mit Strohdach auftauchten. Im Laufe des Weges wurden es immer mehr Huetten vor denen vor allem Ziegen grasten und Kinder spielten. (Es sei an das Ferenjii-Prinzip erinnert!)
Fuehle ich mich doch in Dembi Dollo schon manchmal wie in einem Dorf (die Bezeichnung Stadt ist auch wirklich uebertrieben), befand ich mich nun wirklich im Niergendwo! Neben Huetten, Tieren und ein paar Menschen gab es dort wirklich gar nichts. Hier verbringt also die Dorfbevoelkerung ihr Leben, wenn sie nicht auf den umliegenden Feldern arbeitet oder zweimal die Woche mit vollbeladenen Eseln in Richtung Markt maschiert. Es muss ein hartes Leben sein, ohne jeglichen Komfort und schwerer Arbeit fuer alle Familienmitglieder. Alle Dinge die erwirtschaftet werden, werden wohl hauptsaechlich auf dem Markt verkauft, wobei ich mir gar nicht sicher bin, wofuer man in Samarroo ueberhaupt Geld braucht. Kaufen kann man dort nichts!
Am Ende des Dorfes kam ich an dem wohl faszinierendsten Baum vorbei den ich hier bisher gesehen habe. Dahinter erstreckte sich dann wieder die ganze Weite Aethiopiens, in der ich wahrscheinlich nach ein paar Stunden zu Fuss weitere Doerfer gefunden haette, wo Mensch und Tier in Strohhuetten zusammen leben.
Ich entschied mich aber umzukehren, denn so viel Zeit hatte ich nicht mehr bis zum Sonnenuntergang. Eine Fortsetzung ins Leben der aethiopischen Dorfbevoelkerung folgt aber bestimmt.
Liebe Gruesse:
Hanno
Ps.: Bjoern B., Dir wuensche ich alles, alles Gute zum Geburtstag und einen wunderbaren Start ins Referendariat. Halt die Ohren steif und trink ein Bier fuer mich mit!
LG: Hanno
Sonntag, 23. September 2007
Das Ferenji-Prinzip
Das Ferenji-Prinzip ist keine hochtrabende Theorie fuer die man einen komplizierten Loesungsansatz brauchen wuerde. Ganz im Gegenteil, eigentlich kann man das Ferenji-Prinzip ganz leicht erklaeren. Ueberall wo ich bin, ist auch das Wort Ferenji zu hoeren, was so viel wie Fremder oder Weisser bedeutet.Wahlweise wird mir auch “You, you, you you, You!”, “Where are you go?” oder “What is your name?” hinterhergerufen. Dies erzeugt dann meistens Kichern oder Lachen der Anwesenden.
Am haeufigstens tritt das Ferenji-Prinzip in Erscheinung wenn man Kinder trifft, was hier nun mal ziemlich oft passiert, oder wenn man an einem der zahlreichen “Shoe-shine” Huetten vorbeikommt, wo sich Kinder und Jugendliche ein paar Birr am Tag verdienen.
Fand ich es am Anfang noch ganz lustig so viel Beachtung zu finden, vor allem wenn kleine Kinder mich von weitem sahen, Ferenji schrien und in einer Horde auf mich zugerannt kamen, nervt es jetzt eher. Egal wo ich hingehe, ueberall falle ich aufgrund meiner Hautfarbe auf (so wie das Gluehwuermchen in der Nacht), jeder will mit mir reden, egal ob er was zu sagen hat oder nicht und mich anfassen. (Das Anfassen ist manchmal schon etwas unangenehm!) Viele denken halt, dass ich nicht echt bin. Jetzt weiss ich wenigstens, wie sich Tiere im Zoo fuehlen muessen.
Den Jungs mit denen ich oefters mal Volleyball spiele, konnte ich schon beibringen, dass ich nicht Ferenji heisse, sondern einen Namen habe. Hanno koennen sie sich zwar nicht merken, John tut es aber irgendwie auch. Der Rest wird es vermutlich nie verstehen. Ich bin schon gespannt wie es klingen wird, wenn 80 Schueler “Good morning Ferenji” sagen werden.
Eine weitere Besonderheit des Ferenji-Prinzips ist, dass ich von vielen Leuten als wandelnder Geldbeutel angesehen werde. Hier und dort erzaehlen mir fremde Menschen traurige Geschichten und verlangen Geld von mir. Als ob Geld die Loesung aller Probleme waere. Doch kann ich nicht jedem Geld geben, ansonsten hab ich selber bald keins mehr.
Diejenigen, die ich schon etwas besser kennengelernt habe, wollen zwar kein Geld von mir, sie wollen mir aber jegliche Arbeit abnehmen. Das gehoert halt auch zum Ferenji-Prinzip. Ein Rucksack mit ein bisschen Klimbim vom Markt ist fuer einen Weissen doch viel zu schwer und deshalb wollen sie ihn unbedingt tragen. Und das Brot fuers Fruehstueck duerfe ich doch nicht am Vorabend kaufen, denn sie wuerden es mir natuerlich auch am naechsten Morgen frisch besorgen und nach Hause bringen. Sowieso werde ich immer bis vor meine Haustuer begleitet, damit sie wissen, dass ich auch gut angekommen bin.
So ist das hier halt und oftmals weiss ich gar nicht wie ich darauf reagieren soll. Man moechte ja nichts Besonderes sein, dass lassen sie aber nicht gelten, schliesslich bin ich ja weiss.
Naja, ich werde mich wohl oder uebel daran gewoehnen muessen.
Liebe Gruesse:
Hanno
Ps.: Ich habe doch beim letzten Eintrag eine Kuriositaet vergessen. Aethiopien hat nicht nur ein Jahr mit 13 Monaten, sondern auch eine andere Zeitzaehlung. Der neue Tag beginnt nicht um Mitternacht, sondern mit dem Sonnenaufgang. Dies ist 1 Uhr. Die Zeit wird dann weitergezaehlt bis die Sonne untergeht, was dann so gegen 12 Uhr ist. Dann beginnt die Nacht wieder mit 1 Uhr. Man rechnet also mit 12 Stunden Tageslicht und 12 Stunden Dunkelheit. Macht ja halt auch irgendwie 24 Stunden.
Das ganze kann aber ganz schoen verwirrend werden, wenn man sich mit jemandem verabreden will und jeder seine gebraeuchliche Zeitangabe verwendet!






Am haeufigstens tritt das Ferenji-Prinzip in Erscheinung wenn man Kinder trifft, was hier nun mal ziemlich oft passiert, oder wenn man an einem der zahlreichen “Shoe-shine” Huetten vorbeikommt, wo sich Kinder und Jugendliche ein paar Birr am Tag verdienen.
Fand ich es am Anfang noch ganz lustig so viel Beachtung zu finden, vor allem wenn kleine Kinder mich von weitem sahen, Ferenji schrien und in einer Horde auf mich zugerannt kamen, nervt es jetzt eher. Egal wo ich hingehe, ueberall falle ich aufgrund meiner Hautfarbe auf (so wie das Gluehwuermchen in der Nacht), jeder will mit mir reden, egal ob er was zu sagen hat oder nicht und mich anfassen. (Das Anfassen ist manchmal schon etwas unangenehm!) Viele denken halt, dass ich nicht echt bin. Jetzt weiss ich wenigstens, wie sich Tiere im Zoo fuehlen muessen.
Den Jungs mit denen ich oefters mal Volleyball spiele, konnte ich schon beibringen, dass ich nicht Ferenji heisse, sondern einen Namen habe. Hanno koennen sie sich zwar nicht merken, John tut es aber irgendwie auch. Der Rest wird es vermutlich nie verstehen. Ich bin schon gespannt wie es klingen wird, wenn 80 Schueler “Good morning Ferenji” sagen werden.
Eine weitere Besonderheit des Ferenji-Prinzips ist, dass ich von vielen Leuten als wandelnder Geldbeutel angesehen werde. Hier und dort erzaehlen mir fremde Menschen traurige Geschichten und verlangen Geld von mir. Als ob Geld die Loesung aller Probleme waere. Doch kann ich nicht jedem Geld geben, ansonsten hab ich selber bald keins mehr.
Diejenigen, die ich schon etwas besser kennengelernt habe, wollen zwar kein Geld von mir, sie wollen mir aber jegliche Arbeit abnehmen. Das gehoert halt auch zum Ferenji-Prinzip. Ein Rucksack mit ein bisschen Klimbim vom Markt ist fuer einen Weissen doch viel zu schwer und deshalb wollen sie ihn unbedingt tragen. Und das Brot fuers Fruehstueck duerfe ich doch nicht am Vorabend kaufen, denn sie wuerden es mir natuerlich auch am naechsten Morgen frisch besorgen und nach Hause bringen. Sowieso werde ich immer bis vor meine Haustuer begleitet, damit sie wissen, dass ich auch gut angekommen bin.
So ist das hier halt und oftmals weiss ich gar nicht wie ich darauf reagieren soll. Man moechte ja nichts Besonderes sein, dass lassen sie aber nicht gelten, schliesslich bin ich ja weiss.
Naja, ich werde mich wohl oder uebel daran gewoehnen muessen.
Liebe Gruesse:
Hanno
Ps.: Ich habe doch beim letzten Eintrag eine Kuriositaet vergessen. Aethiopien hat nicht nur ein Jahr mit 13 Monaten, sondern auch eine andere Zeitzaehlung. Der neue Tag beginnt nicht um Mitternacht, sondern mit dem Sonnenaufgang. Dies ist 1 Uhr. Die Zeit wird dann weitergezaehlt bis die Sonne untergeht, was dann so gegen 12 Uhr ist. Dann beginnt die Nacht wieder mit 1 Uhr. Man rechnet also mit 12 Stunden Tageslicht und 12 Stunden Dunkelheit. Macht ja halt auch irgendwie 24 Stunden.
Das ganze kann aber ganz schoen verwirrend werden, wenn man sich mit jemandem verabreden will und jeder seine gebraeuchliche Zeitangabe verwendet!
Dienstag, 18. September 2007
Kategorie: Kurios
Immer wenn man in ferne Laender reist, fallen einem ungewoehnliche, komische aber auch vertraute Aspekte der anderen Kultur auf. So auch hier!
Auch wenn sich das Leben in Aethiopien grundsaetzlich von dem unseren unterscheidet, gibt es auch einige Gemeinsamkeiten. Fernsehen ist hier naemlich auch eine willkommene Ablenkung vom Alltag und ein guter Zeitvertreib. Zumindest fuer die, die sich ein so teures Geraet leisten koennen.
So verwundert es auch nicht, dass es eine der erfolgreichsten Castingshows der Welt auch ins aethiopische Fernsehen geschafft hat. Die Rede ist natuerlich von “Ethiopian Idols”.
Wie in Deutschland finden sich aus ganz Aethiopien junge Talente in der Hauptstadt zusammen, die ihr Koennen einem breiten Publikum darbieten wollen. Auf einer schlichten Buehne, begleitet von einem Keyboard, singen junge Maenner und Frauen jeden Samstag um den Hauptgewinn: ein Auto.
Das letzte Wort hat aber nicht das Publikum, sondern die Jury. (Sieht der eine nicht aus wie Heinz von “Deutschland sucht den Superstar”?) Was also das Abendprogramm angeht, unterscheidet sich Aethiopien gar nicht von Deutschland.
Dennoch ueberwiegen insgesamt natuerlich die Unterschiede. Als ich letztens mit Dabala zusammen Abendbrot gegessen habe, kam ploetzlich noch ein unvorhergesehener Gast zu Besuch durchs Fenster. Eine Fledermaus hatte wohl auch Hunger und gesellte sich so zu uns. (Es war aber nicht Batman!) Hatte von euch schon mal jemand ein Abendessen mit einer Fledermaus?
Ausserhalb meiner Wohnung begegnet man hier ueberall Kuriositaeten. (Falsch, nicht nur ausserhalb, sondern auch innerhalb meiner Wohnung. Ich habe naemlich neue Uebermieter. Ratten wohnen unter dem Dach und machen einen ganz schoenen Laerm.)
Ob dies nun verrostete Autos am Wegesrand sind, die langsam vom Unkraut ueber wuchert werden, der Metzger, wo das Fleisch ungekeuhlt am Haken haengt und die Fliegen die besten Kunden sind, oder Lkw”s , die auf den Matschstrassen stecken bleiben, wenn es mal wieder stundenlang geregnet hat.
Ich bin schon gespannt was mir die Tage noch alles auffallen wird.
Bis dahin liebe Gruesse:
Hanno







Auch wenn sich das Leben in Aethiopien grundsaetzlich von dem unseren unterscheidet, gibt es auch einige Gemeinsamkeiten. Fernsehen ist hier naemlich auch eine willkommene Ablenkung vom Alltag und ein guter Zeitvertreib. Zumindest fuer die, die sich ein so teures Geraet leisten koennen.
So verwundert es auch nicht, dass es eine der erfolgreichsten Castingshows der Welt auch ins aethiopische Fernsehen geschafft hat. Die Rede ist natuerlich von “Ethiopian Idols”.
Wie in Deutschland finden sich aus ganz Aethiopien junge Talente in der Hauptstadt zusammen, die ihr Koennen einem breiten Publikum darbieten wollen. Auf einer schlichten Buehne, begleitet von einem Keyboard, singen junge Maenner und Frauen jeden Samstag um den Hauptgewinn: ein Auto.
Das letzte Wort hat aber nicht das Publikum, sondern die Jury. (Sieht der eine nicht aus wie Heinz von “Deutschland sucht den Superstar”?) Was also das Abendprogramm angeht, unterscheidet sich Aethiopien gar nicht von Deutschland.
Dennoch ueberwiegen insgesamt natuerlich die Unterschiede. Als ich letztens mit Dabala zusammen Abendbrot gegessen habe, kam ploetzlich noch ein unvorhergesehener Gast zu Besuch durchs Fenster. Eine Fledermaus hatte wohl auch Hunger und gesellte sich so zu uns. (Es war aber nicht Batman!) Hatte von euch schon mal jemand ein Abendessen mit einer Fledermaus?
Ausserhalb meiner Wohnung begegnet man hier ueberall Kuriositaeten. (Falsch, nicht nur ausserhalb, sondern auch innerhalb meiner Wohnung. Ich habe naemlich neue Uebermieter. Ratten wohnen unter dem Dach und machen einen ganz schoenen Laerm.)
Ob dies nun verrostete Autos am Wegesrand sind, die langsam vom Unkraut ueber wuchert werden, der Metzger, wo das Fleisch ungekeuhlt am Haken haengt und die Fliegen die besten Kunden sind, oder Lkw”s , die auf den Matschstrassen stecken bleiben, wenn es mal wieder stundenlang geregnet hat.
Ich bin schon gespannt was mir die Tage noch alles auffallen wird.
Bis dahin liebe Gruesse:
Hanno
Freitag, 14. September 2007
Ein neues Jahrtausend
Nein, ich habe keine Zeitreise gemacht, weder in die Zukunft, noch in die
Vergangenheit. Wobei ich mir mit der Vergangenheit manchmal nicht so sicher
bin! Aethiopien ist mit einer siebenjaehrigen Verspaetung nun auch im 21.
Jahrhundert angekommen. (Jaja Juergen, da hast Du im Radio richtig
zugehoehrt.)
Aethiopien hat naemlich eine weltweit einmalige Zeitrechnung. Sie ist
aehnlich dem von Julius Caesar eingefuehrten Julianischem Kalender, aber mit
einigen Abweichungen. Es gibt zwoelf Monate mit 30 Tagen und noch einen mit
fuenf oder sechs Tagen. Das Motto des Landes lautet daher: 13 Monate
Sonnenschein. (Dafuer gibt es momentan aber ziemlich viel Regen!) Mehrere
Korrekturen und haeufigere Schaltjahre haben zu dem Unterschied von sieben
Jahren, neun Monaten und zwoelf Tagen gegenueber dem gregorianischen
Kalender gefuehrt.
Wenn ich mir vorstellen wuerde, dass wir nochmal das Jahr 2000 haetten, dann
waere ich zwar sieben Jahre juenger, aber ich muesste dieses Jahr das Abitur
ablegen und haette noch das ganze Studium vor mir. Nein danke, da bleib ich
doch lieber bei unserer Zeitrechnung.
Der Hype um das Millennium haelt hier schon seit einiger Zeit an und wird
dies wahrscheinlich auch noch ein paar Wochen tun. Wurde deshalb doch zu
meinen Ungunsten der Schulbeginn auf den 1. Oktober verschoben. Bis dahin
habe ich also noch Ferien.
Die grosse Milleniumparty ging in Addis ab, doch dies ist dummerweise nunmal
zwei Tage Autofahrt entfernt. Mit ein paar Freunden konnte ich aber bei ein
paar Bier und Uno das ganze Spektakel am Fernseher verfolgen. Im Stadion
und am Flughafen wurde mit Folklore gefeiert. Wer hingegen Geld hatte,
konnte in der eigens fuer die Jahrtausendfeier gebauten Halle bei Rock- und
Popmusik ins Millennium rutschen. Wir verweilten hingegen lieber beim Bier
und Karten spielen.
Am Neujahrstag gab es dann einen kulinarischen Festschmaus. Ein paar Tage
zuvor hatten Dabala, Ali und ich auf dem Markt ein Huehnchen gekauft
(natuerlich ein lebendes Huehnchen! Alles was man hier kaufen kann ist noch
nicht zum Verzehr zubereitet.), was es dann zum Abendessen gab. Inklusive
schlachten, entfedern, waschen, ausnehmen, und wieder waschen usw., hat der
ganze Spass mindestens vier Stunden gedauert. Ali und Dabala haben die
meiste Arbeit uebernommen, da dies alles fuer mich Neuland war. Ich habe
dafuer genuegend Fotos gemacht.
Eigentlich hatte ich schon ziemlich viel Mitleid mit dem Huhn, hatte ich es
doch noch lebend gekauft. Eine Weile hatte ich deshalb auch ueberlegt, ob
ich nicht Vegetarier werden sollte. Doch diese Alternative wuerde bedeuten:
Kohl, Kohl und nochmals Kohl! Da musste ich wohl ueber meinen Schatten
springen.
Es hat aber auch wirklich hervorragend geschmeckt. Stammte es doch auch
nicht aus der Massentierhaltung und war nicht mit Antibiotika vollgestopft.
Waehrend der Zubereitung kamen an der Kueche am Neujahrstag auch immer
wieder Kinder vorbei, die uns ein Staendchen brachten. Kindergeschrei mit
Trommeln!
So gesehen war es zu unserem ersten Tag im neuen Jahr eine gelunge
Abwechslung. Wacht man doch sonst immer am 1. Januar mit einem dicken
Schaedel auf und verbringt den Tag im Bett oder vor dem Fernseher.
Soweit von mir. Neujahrsgruesse sind natuerlich willkommen!
Liebe Gruesse:
Hanno





Vergangenheit. Wobei ich mir mit der Vergangenheit manchmal nicht so sicher
bin! Aethiopien ist mit einer siebenjaehrigen Verspaetung nun auch im 21.
Jahrhundert angekommen. (Jaja Juergen, da hast Du im Radio richtig
zugehoehrt.)
Aethiopien hat naemlich eine weltweit einmalige Zeitrechnung. Sie ist
aehnlich dem von Julius Caesar eingefuehrten Julianischem Kalender, aber mit
einigen Abweichungen. Es gibt zwoelf Monate mit 30 Tagen und noch einen mit
fuenf oder sechs Tagen. Das Motto des Landes lautet daher: 13 Monate
Sonnenschein. (Dafuer gibt es momentan aber ziemlich viel Regen!) Mehrere
Korrekturen und haeufigere Schaltjahre haben zu dem Unterschied von sieben
Jahren, neun Monaten und zwoelf Tagen gegenueber dem gregorianischen
Kalender gefuehrt.
Wenn ich mir vorstellen wuerde, dass wir nochmal das Jahr 2000 haetten, dann
waere ich zwar sieben Jahre juenger, aber ich muesste dieses Jahr das Abitur
ablegen und haette noch das ganze Studium vor mir. Nein danke, da bleib ich
doch lieber bei unserer Zeitrechnung.
Der Hype um das Millennium haelt hier schon seit einiger Zeit an und wird
dies wahrscheinlich auch noch ein paar Wochen tun. Wurde deshalb doch zu
meinen Ungunsten der Schulbeginn auf den 1. Oktober verschoben. Bis dahin
habe ich also noch Ferien.
Die grosse Milleniumparty ging in Addis ab, doch dies ist dummerweise nunmal
zwei Tage Autofahrt entfernt. Mit ein paar Freunden konnte ich aber bei ein
paar Bier und Uno das ganze Spektakel am Fernseher verfolgen. Im Stadion
und am Flughafen wurde mit Folklore gefeiert. Wer hingegen Geld hatte,
konnte in der eigens fuer die Jahrtausendfeier gebauten Halle bei Rock- und
Popmusik ins Millennium rutschen. Wir verweilten hingegen lieber beim Bier
und Karten spielen.
Am Neujahrstag gab es dann einen kulinarischen Festschmaus. Ein paar Tage
zuvor hatten Dabala, Ali und ich auf dem Markt ein Huehnchen gekauft
(natuerlich ein lebendes Huehnchen! Alles was man hier kaufen kann ist noch
nicht zum Verzehr zubereitet.), was es dann zum Abendessen gab. Inklusive
schlachten, entfedern, waschen, ausnehmen, und wieder waschen usw., hat der
ganze Spass mindestens vier Stunden gedauert. Ali und Dabala haben die
meiste Arbeit uebernommen, da dies alles fuer mich Neuland war. Ich habe
dafuer genuegend Fotos gemacht.
Eigentlich hatte ich schon ziemlich viel Mitleid mit dem Huhn, hatte ich es
doch noch lebend gekauft. Eine Weile hatte ich deshalb auch ueberlegt, ob
ich nicht Vegetarier werden sollte. Doch diese Alternative wuerde bedeuten:
Kohl, Kohl und nochmals Kohl! Da musste ich wohl ueber meinen Schatten
springen.
Es hat aber auch wirklich hervorragend geschmeckt. Stammte es doch auch
nicht aus der Massentierhaltung und war nicht mit Antibiotika vollgestopft.
Waehrend der Zubereitung kamen an der Kueche am Neujahrstag auch immer
wieder Kinder vorbei, die uns ein Staendchen brachten. Kindergeschrei mit
Trommeln!
So gesehen war es zu unserem ersten Tag im neuen Jahr eine gelunge
Abwechslung. Wacht man doch sonst immer am 1. Januar mit einem dicken
Schaedel auf und verbringt den Tag im Bett oder vor dem Fernseher.
Soweit von mir. Neujahrsgruesse sind natuerlich willkommen!
Liebe Gruesse:
Hanno
Sonntag, 9. September 2007
Feiern
Trotz des allgegenwaertigen religioesem Zeigefingers, ist es auch hier
moeglich zu feiern. Alkohol ist zwar verpoent, aber halt nicht verboten und
so gibt es auch in Dembi ein paar Kneipen, wo man es sich am Abend
gemuetlich machen kann. (Die Prohibition hat in den USA ja auch nicht
funktioniert!) Diese sehen von aussen zwar nicht besonders einladend aus,
aber was macht das schon, wenn man eine trockene Kehle hat und sich nach
einem kuehlen Bier sehnt. Und wenn man aus der Biernation Nr 1 stammt,
passiert dies besonders schnell! So setzt man sich auch schonmal in eine
Huette in die kaum Licht dringt und in der mehr Fliegen zu sein scheinen als
Gaeste. Dennoch ist die Musik so laut eingestellt, die natuerlich wieder
ueber knirschende Lautsprecher verbreitet wird, als ob ganz Dembi zu einer
Party eingeladen ist.
Das oertliche Bedele-Beer kostet umgerechnet ca. 35 Cent und ist gar nicht
zu verachten. (An alle Magdeburger: Sterni kann da beim besten Willen nicht
mithalten! An alle Wittener: Hansa oder Paderborner-Pils auch nicht!) Bei
diesem Kneipenpreis kann man sich auch schonmal mehr als nur ein Bier
goennen.
Die Inneneinrichtung war auch sehr schlicht gehalten. Neben der Bar gab es
ein paar Tische und Plastikstuehle. Man achte auch auf die schicke gruene
Farbe, die die Waende verziert. (siehe Foto)
Insgesamt eine wirklich nette Erfahrung, die sich bestimmt die naechsten
Tage wiederholen laesst.
Um zu feiern braucht man aber nicht immer Alkohol. Auf der aethiopischen
Hochzeit auf der ich eingeladen war, galt naemlich wieder die uebliche
Einstellung zu diesen Getraenken. Nichts desto trotz hatte ich mich tierisch
darauf gefreut und bin mit grosser Erwartung dort hingegangen. Ein buntes
Brautpaar, ausgelassene Gaeste und Live-Musik schwebten in meinen Gedanken.
Als ich dort ankam wurde ich aber enttaeuscht. Ein kleiner Kassetenrekorder
dudelte ein wenig vor sich hin, im aus Kaffeesaecken zusammengeschusterten
Partyzelt sassen ein paar Gaeste und zu meinem Entsetzen gab es wieder
Budena, eine rote und eine gelbe Sauce. Da meine erneuten Erfahrungen mit
dieser Speise wieder auf dem Klo endeten, habe ich beschlossen, Budena nicht
mehr anzufassen. Dummerweise gibt es diese sauren Teigfladen jeden Tag!
Nach dem Essen ging es auch schon wieder nach Hause, da die Braut und der
Braeutigam sowieso nicht mehr gekommen waeren. Diese waren naemlich irgendwo
anders und feierten ohne die Bekannt- und Verwandtschaft, die bei
kraechzender Musik und Budena im Partyzelt sassen.
Auf den naechsten Bummel durch Dembis Nachtleben freue ich mich schon jetzt.
In diesem Sinne: Prost und bis die Tage:
Hanno
Ps.: Falls ihr euch wundern solltet, dass ich noch nicht arbeite und
unterrichte; dies tue ich auch. Der Schulbeginn wird aber irgendwie
regelmaessig verschoben. So habe ich aber wenigstens noch ein bisschen Zeit
um mich weiter einzuleben und mich schonmal auf den Unterricht
vorzubereiten.




moeglich zu feiern. Alkohol ist zwar verpoent, aber halt nicht verboten und
so gibt es auch in Dembi ein paar Kneipen, wo man es sich am Abend
gemuetlich machen kann. (Die Prohibition hat in den USA ja auch nicht
funktioniert!) Diese sehen von aussen zwar nicht besonders einladend aus,
aber was macht das schon, wenn man eine trockene Kehle hat und sich nach
einem kuehlen Bier sehnt. Und wenn man aus der Biernation Nr 1 stammt,
passiert dies besonders schnell! So setzt man sich auch schonmal in eine
Huette in die kaum Licht dringt und in der mehr Fliegen zu sein scheinen als
Gaeste. Dennoch ist die Musik so laut eingestellt, die natuerlich wieder
ueber knirschende Lautsprecher verbreitet wird, als ob ganz Dembi zu einer
Party eingeladen ist.
Das oertliche Bedele-Beer kostet umgerechnet ca. 35 Cent und ist gar nicht
zu verachten. (An alle Magdeburger: Sterni kann da beim besten Willen nicht
mithalten! An alle Wittener: Hansa oder Paderborner-Pils auch nicht!) Bei
diesem Kneipenpreis kann man sich auch schonmal mehr als nur ein Bier
goennen.
Die Inneneinrichtung war auch sehr schlicht gehalten. Neben der Bar gab es
ein paar Tische und Plastikstuehle. Man achte auch auf die schicke gruene
Farbe, die die Waende verziert. (siehe Foto)
Insgesamt eine wirklich nette Erfahrung, die sich bestimmt die naechsten
Tage wiederholen laesst.
Um zu feiern braucht man aber nicht immer Alkohol. Auf der aethiopischen
Hochzeit auf der ich eingeladen war, galt naemlich wieder die uebliche
Einstellung zu diesen Getraenken. Nichts desto trotz hatte ich mich tierisch
darauf gefreut und bin mit grosser Erwartung dort hingegangen. Ein buntes
Brautpaar, ausgelassene Gaeste und Live-Musik schwebten in meinen Gedanken.
Als ich dort ankam wurde ich aber enttaeuscht. Ein kleiner Kassetenrekorder
dudelte ein wenig vor sich hin, im aus Kaffeesaecken zusammengeschusterten
Partyzelt sassen ein paar Gaeste und zu meinem Entsetzen gab es wieder
Budena, eine rote und eine gelbe Sauce. Da meine erneuten Erfahrungen mit
dieser Speise wieder auf dem Klo endeten, habe ich beschlossen, Budena nicht
mehr anzufassen. Dummerweise gibt es diese sauren Teigfladen jeden Tag!
Nach dem Essen ging es auch schon wieder nach Hause, da die Braut und der
Braeutigam sowieso nicht mehr gekommen waeren. Diese waren naemlich irgendwo
anders und feierten ohne die Bekannt- und Verwandtschaft, die bei
kraechzender Musik und Budena im Partyzelt sassen.
Auf den naechsten Bummel durch Dembis Nachtleben freue ich mich schon jetzt.
In diesem Sinne: Prost und bis die Tage:
Hanno
Ps.: Falls ihr euch wundern solltet, dass ich noch nicht arbeite und
unterrichte; dies tue ich auch. Der Schulbeginn wird aber irgendwie
regelmaessig verschoben. So habe ich aber wenigstens noch ein bisschen Zeit
um mich weiter einzuleben und mich schonmal auf den Unterricht
vorzubereiten.
Donnerstag, 6. September 2007
Kaffeezauber
Fuer heute haben Dabala und ich etwas besonderes fuer euch vorbereitet. Wir
werden euch naemlich mal zeigen, wie man richtigen aethiopischen Kaffee
zubereitet.
Doch bevor wir damit beginnen, moechte ich euch noch eine kurze Geschichte
erzaehlen:
Vor langer, langer Zeit besass ein alter armer Mann im aethiopischen
Hochland nichts weiter als eine kleine Rundhuette mit Strohdach, umgeben von
ein paar Baeumen mit seltsamen roten Fruechten. Doch waehrend einer langen
Duerreperiode wurde ihm auch sein letztes Hab und Gut durch ein
schreckliches Feuer genommen. Der Rauch des Feuers roch aber irgendwie
angenehm und frisch. Nachdem das Feuer ausgebrannt war, war dem alten armen
Mann nichts weiter geblieben als die angenehm richenden, aber dennoch
verkohlten Fruechte von seinen niedergebrannten Baeumen. Da die verkohlten
Bohnen aber so gut rochen, sammelte er diese auf. Bei genauerer Betrachtung
merkte er aber, dass sie unbrauchbar waren, warf sie wuetend auf den Boden
und zertrampelte diese. Dummerweise stiess er dabei auch den Krug mit seinem
Trinkwasser um, das er erst am morgen vom 10 km entfernten Brunnen zu Fuss
geholt hatte. Denn er war so arm, dass er sich keinen Lastesel leisten
konnte. Das von der brennenden Sonne erhitzte Wasser ergoss sich ueber dem
Pulver der zertrampelten Bohnen. In seiner Verzweiflung sammelte der Mann
das nun braune Wasser wieder ein und fuellte es zurueck in den Krug, da er
zu niedergeschlagen und erschoepft war neues Wasser zu holen.
Also wuergte er die warme braune Bruehe seine trockene Kehle herunter. Doch
als der erste Tropfen seine Lippen beruehrte, schmeckte ihm das Getraenk und
nach ein paar Schluecken aus dem Krug fuehlte er sich sogar wach und munter.
In den naechsten Tagen machte er aus seiner Not eine Tugend. Er sammelte
mehr von den verkohlten Bohnen, zerstampfte diese zu Pulver, goss kochendes
Wasser darueber und verkaufte dieses wohlriechende Elexier auf dem Markt. So
wurde er ein reicher und gluecklicher Mann. Und wenn er nicht gestorben ist,
dann lebt er auch noch heute in Dembi Dollo.
So, da ihr jetzt von der Legende des Kaffeezaubers gehoert habt, koennen wir
mit der traditionellen Zubereitung des aethiopischen Kaffees beginnen:
Zuerst geht man auf den Wochenmarkt zu den Kaffeebauern und kauft dort ein
halbes Kilo bereits geschaelte Kaffeebohnen (man ist ja auch etwas faul) und
am Gewuerzstand gleich um die Ecke erwirbt man noch ein paar Leckereien fuer
den Kaffee. Ich habe mich fuer Odonko oder Owonko (was auch immer dies fuer
ein Gewuerz sein mag) entschieden.
Zuhause beginnt dann die Arbeit. Zuerst einmal muessen die Gewuerze von
ihrer Schale befreit warden. Dann kann man die Kaffeebohnen gruendlich
waschen. In einer aethiopischen Kueche, eine Lehmhuette mit Wellblechdach,
ausserhalb des eigentlichen Hauses (was eigentlich genauso aussieht) macht
man dann ein Feuer. Ueber dem Feuer roestet man anschliessend die Bohnen in
einer gusseisernen Schale. Vorsicht: heiss und rauchig!
Nach ca. 20 Minuten nimmt man die schwarzen Kaffeebohnen vom Feuer und
roestet nun die Gewuerze. Anschliessend mischt man beides in der Mojjee, ein
ausgewoelbter Baumstumpf, zusammen und zermalmt die dampfende Masse zu
Pulver. Das ist die anstrengenste Arbeit!
Abschliessend kann man den fertigen Kaffee aus der Mojjee in ein anderes
Behaeltnis fuellen, ein wenig Pulver mit heissem Wasser aufkochen und den
frischen Kaffee dann mit Freunden gemeinsam geniessen. Mmhh, lecker! (Fuer
Indienbjoern: Schoener, heisser, schwarzer Kaffee, Junge!)
Viel Spass beim nachmachen!
Liebe Gruesse:
Hanno
Ps.: Fuer den Morgenkaffee empfiehlt sich aber nach wie vor eine
funktionierende Kaffeemaschine, die ich leider nicht habe. Schaut doch mal
nach, ob euer Kaffee auch aus Aethiopien kommt?!









werden euch naemlich mal zeigen, wie man richtigen aethiopischen Kaffee
zubereitet.
Doch bevor wir damit beginnen, moechte ich euch noch eine kurze Geschichte
erzaehlen:
Vor langer, langer Zeit besass ein alter armer Mann im aethiopischen
Hochland nichts weiter als eine kleine Rundhuette mit Strohdach, umgeben von
ein paar Baeumen mit seltsamen roten Fruechten. Doch waehrend einer langen
Duerreperiode wurde ihm auch sein letztes Hab und Gut durch ein
schreckliches Feuer genommen. Der Rauch des Feuers roch aber irgendwie
angenehm und frisch. Nachdem das Feuer ausgebrannt war, war dem alten armen
Mann nichts weiter geblieben als die angenehm richenden, aber dennoch
verkohlten Fruechte von seinen niedergebrannten Baeumen. Da die verkohlten
Bohnen aber so gut rochen, sammelte er diese auf. Bei genauerer Betrachtung
merkte er aber, dass sie unbrauchbar waren, warf sie wuetend auf den Boden
und zertrampelte diese. Dummerweise stiess er dabei auch den Krug mit seinem
Trinkwasser um, das er erst am morgen vom 10 km entfernten Brunnen zu Fuss
geholt hatte. Denn er war so arm, dass er sich keinen Lastesel leisten
konnte. Das von der brennenden Sonne erhitzte Wasser ergoss sich ueber dem
Pulver der zertrampelten Bohnen. In seiner Verzweiflung sammelte der Mann
das nun braune Wasser wieder ein und fuellte es zurueck in den Krug, da er
zu niedergeschlagen und erschoepft war neues Wasser zu holen.
Also wuergte er die warme braune Bruehe seine trockene Kehle herunter. Doch
als der erste Tropfen seine Lippen beruehrte, schmeckte ihm das Getraenk und
nach ein paar Schluecken aus dem Krug fuehlte er sich sogar wach und munter.
In den naechsten Tagen machte er aus seiner Not eine Tugend. Er sammelte
mehr von den verkohlten Bohnen, zerstampfte diese zu Pulver, goss kochendes
Wasser darueber und verkaufte dieses wohlriechende Elexier auf dem Markt. So
wurde er ein reicher und gluecklicher Mann. Und wenn er nicht gestorben ist,
dann lebt er auch noch heute in Dembi Dollo.
So, da ihr jetzt von der Legende des Kaffeezaubers gehoert habt, koennen wir
mit der traditionellen Zubereitung des aethiopischen Kaffees beginnen:
Zuerst geht man auf den Wochenmarkt zu den Kaffeebauern und kauft dort ein
halbes Kilo bereits geschaelte Kaffeebohnen (man ist ja auch etwas faul) und
am Gewuerzstand gleich um die Ecke erwirbt man noch ein paar Leckereien fuer
den Kaffee. Ich habe mich fuer Odonko oder Owonko (was auch immer dies fuer
ein Gewuerz sein mag) entschieden.
Zuhause beginnt dann die Arbeit. Zuerst einmal muessen die Gewuerze von
ihrer Schale befreit warden. Dann kann man die Kaffeebohnen gruendlich
waschen. In einer aethiopischen Kueche, eine Lehmhuette mit Wellblechdach,
ausserhalb des eigentlichen Hauses (was eigentlich genauso aussieht) macht
man dann ein Feuer. Ueber dem Feuer roestet man anschliessend die Bohnen in
einer gusseisernen Schale. Vorsicht: heiss und rauchig!
Nach ca. 20 Minuten nimmt man die schwarzen Kaffeebohnen vom Feuer und
roestet nun die Gewuerze. Anschliessend mischt man beides in der Mojjee, ein
ausgewoelbter Baumstumpf, zusammen und zermalmt die dampfende Masse zu
Pulver. Das ist die anstrengenste Arbeit!
Abschliessend kann man den fertigen Kaffee aus der Mojjee in ein anderes
Behaeltnis fuellen, ein wenig Pulver mit heissem Wasser aufkochen und den
frischen Kaffee dann mit Freunden gemeinsam geniessen. Mmhh, lecker! (Fuer
Indienbjoern: Schoener, heisser, schwarzer Kaffee, Junge!)
Viel Spass beim nachmachen!
Liebe Gruesse:
Hanno
Ps.: Fuer den Morgenkaffee empfiehlt sich aber nach wie vor eine
funktionierende Kaffeemaschine, die ich leider nicht habe. Schaut doch mal
nach, ob euer Kaffee auch aus Aethiopien kommt?!
Montag, 3. September 2007
Immer wieder sonntags
werde ich puenktlich auf die Sekunde um 7 Uhr von einer Art Diskobeat mit
einem Hauch von Reggeaelementen, zu der entweder eine Maenner- oder
Frauenstimme singt, geweckt, die ueber einen knirschenden Lautsprecher von
einer der vielen Kirchen bis zu mir dringt. Da ist mir das Kirchengelaeut in
der Heimat schon lieber, vor allem da dies max. 5 Minuten dauert. Den
spirituellen Diskobeat hier darf ich naemlich 4 Stunden lang ertragen. Hin
und wieder wird er allerdings unterbrochen, doch um keine Stille aufkommen
zu lassen, stimmt eine Maennerstimme ein und bruellt aus voller Kehle ins
Mikro, woraufhin die Masse der Anwesenden mit Amen oder Hallelujah
zurueckbruellt. Gegen 11 Uhr nimmt dann der ganze Laerm wieder ab, doch dann
ist man natuerlich schon wach. Gluecklicherweise habe ich Ohropax dabei!
Solch ein Trubel macht aber auch neugierig, klingt es aus der Ferne doch wie
Kirmes, sodass ich mich entschloss dort einmal vorbei zu schauen. Also
fragte ich Itaffa, ob er mich nicht mal mitnehmen koenne. Mit leuchtenden
Augen sah er mich an und sagte ich solle dann am naechsten Sonntag um 6:15
bei ihm sein, damit wir nichts verpassen wuerden. Ich konnte ihn dann noch
auf 8 Uhr herunterhandeln, da ich wusste, dass der ganze Spass sowieso bis
11 Uhr dauern wuerde.
So kamen wir am naechsten Sonntag um 8:30 an der absolut ueberfuellten
Stadtkirche an. Die Menschen standen sogar noch vor der Kirche um dem Pastor
zu lauschen. Dank den ganzen Lautsprechern haetten sie dies eigentlich auch
von zu Hause aus machen koennen. Itaffa machte das gar nichts, denn in
Begleitung eines Weissen bekam er mit mir sogar noch einen Platz in der
ersten Reihe. Nun sass ich da ganz vorne, in einer Kirche in der mindestens
3 mal so viele Menschen waren wie in Deutschland am Heilig Abend und ich
hatte das Gefuehl, dass mich alle anstarrten.
Am Rednerpult stand ein Mann in den vierzigern, der keinen Talar, sondern
Turnschuhe, Jeans und eine Joggingjacke trug und mindestens eine geschlagene
Stunde auf Oromiffa abwechselnd ins Mikro sprach oder schrie. Begleitet
wurde dies lediglich vom Raunen, Schmunzeln, Weinen und Lachen der
anwesenden Kirchgaenger. Haette ich nicht hin und wieder mal ein mir
bekanntes Amen oder Hallelujah wahrgenommen, haette ich gedacht ich
waere bei einer Demonstration oder einer Gewerkschaftsveranstaltung.
Was nun den Inhalt der Predigt angeht, kann ich nicht sagen ob ich es
gutheissen kann (ich hab es ja nicht verstanden), kommen mir die Menschen
hier vor lauter Religioesitaet aber doch etwas eingeschuechtert vor.
Interessant war es aber allemal. Mir unverstaendliche Rituale wie
kollektives Zischen und Jubeln oder sich umdrehen und in Richtung Ausgang
niederknien, liessen den Gottesdienst nicht langweilig werden. Die Orgel
wurde vom Keyboard ersetzt, aber der Kinderchor war wie bei uns, nur das sie
hier immer lustig hin- und herschunkelten. So vergingen die 2 1/2 Stunden
eingentlich doch recht schnell. Am Ende war ich aber recht froh, dass es
nicht noch laenger ging. Bei all den Menschen beschlug naemlich schon immer
die Linse der Fotokamera, sodas ihr euch gut vorstellen koennt was fuer ein
Klima in der Kirche herrschte.
Fuer mich war insgesamt gesehen alles spannend, neu und interessant, doch
bin ich nun schon ein paar Tage hier und kann deshalb vielleicht auch schon
ein wenig ueber den Tellerrand gucken, sodass ich mit einer kritischen Frage
schliessen moechte:
Warum kuemmert sich eigentlich eine Gesellschaft, die aus dem tiefen Inneren
an Gott glaubt, ihn 7 mal in der Woche zu allen Tages-, Nacht- und
Mahlzeiten preist, Alkohol als Suende verdammt, nur religioese Musik
erlaubt, (in meinen Augen) so wenig um die Armen und Verstossenen, die hier
ueberall am Wegesrand herumlungern und betteln, um diejenigen, die nicht
genuegend Geld fuer ordentliche Kleidung haben und deshalb in Lumpen und
Barfuss ueber die modrigen Strassen Dembis trotten oder um die Jugend, die
vor lauter Zeit anscheinend nicht weiss, was sie damit anfangen soll?
PS.: Danke noch fuer alle Geburtstags- und Besserungswuensche!
Liebe Gruesse:
Hanno




einem Hauch von Reggeaelementen, zu der entweder eine Maenner- oder
Frauenstimme singt, geweckt, die ueber einen knirschenden Lautsprecher von
einer der vielen Kirchen bis zu mir dringt. Da ist mir das Kirchengelaeut in
der Heimat schon lieber, vor allem da dies max. 5 Minuten dauert. Den
spirituellen Diskobeat hier darf ich naemlich 4 Stunden lang ertragen. Hin
und wieder wird er allerdings unterbrochen, doch um keine Stille aufkommen
zu lassen, stimmt eine Maennerstimme ein und bruellt aus voller Kehle ins
Mikro, woraufhin die Masse der Anwesenden mit Amen oder Hallelujah
zurueckbruellt. Gegen 11 Uhr nimmt dann der ganze Laerm wieder ab, doch dann
ist man natuerlich schon wach. Gluecklicherweise habe ich Ohropax dabei!
Solch ein Trubel macht aber auch neugierig, klingt es aus der Ferne doch wie
Kirmes, sodass ich mich entschloss dort einmal vorbei zu schauen. Also
fragte ich Itaffa, ob er mich nicht mal mitnehmen koenne. Mit leuchtenden
Augen sah er mich an und sagte ich solle dann am naechsten Sonntag um 6:15
bei ihm sein, damit wir nichts verpassen wuerden. Ich konnte ihn dann noch
auf 8 Uhr herunterhandeln, da ich wusste, dass der ganze Spass sowieso bis
11 Uhr dauern wuerde.
So kamen wir am naechsten Sonntag um 8:30 an der absolut ueberfuellten
Stadtkirche an. Die Menschen standen sogar noch vor der Kirche um dem Pastor
zu lauschen. Dank den ganzen Lautsprechern haetten sie dies eigentlich auch
von zu Hause aus machen koennen. Itaffa machte das gar nichts, denn in
Begleitung eines Weissen bekam er mit mir sogar noch einen Platz in der
ersten Reihe. Nun sass ich da ganz vorne, in einer Kirche in der mindestens
3 mal so viele Menschen waren wie in Deutschland am Heilig Abend und ich
hatte das Gefuehl, dass mich alle anstarrten.
Am Rednerpult stand ein Mann in den vierzigern, der keinen Talar, sondern
Turnschuhe, Jeans und eine Joggingjacke trug und mindestens eine geschlagene
Stunde auf Oromiffa abwechselnd ins Mikro sprach oder schrie. Begleitet
wurde dies lediglich vom Raunen, Schmunzeln, Weinen und Lachen der
anwesenden Kirchgaenger. Haette ich nicht hin und wieder mal ein mir
bekanntes Amen oder Hallelujah wahrgenommen, haette ich gedacht ich
waere bei einer Demonstration oder einer Gewerkschaftsveranstaltung.
Was nun den Inhalt der Predigt angeht, kann ich nicht sagen ob ich es
gutheissen kann (ich hab es ja nicht verstanden), kommen mir die Menschen
hier vor lauter Religioesitaet aber doch etwas eingeschuechtert vor.
Interessant war es aber allemal. Mir unverstaendliche Rituale wie
kollektives Zischen und Jubeln oder sich umdrehen und in Richtung Ausgang
niederknien, liessen den Gottesdienst nicht langweilig werden. Die Orgel
wurde vom Keyboard ersetzt, aber der Kinderchor war wie bei uns, nur das sie
hier immer lustig hin- und herschunkelten. So vergingen die 2 1/2 Stunden
eingentlich doch recht schnell. Am Ende war ich aber recht froh, dass es
nicht noch laenger ging. Bei all den Menschen beschlug naemlich schon immer
die Linse der Fotokamera, sodas ihr euch gut vorstellen koennt was fuer ein
Klima in der Kirche herrschte.
Fuer mich war insgesamt gesehen alles spannend, neu und interessant, doch
bin ich nun schon ein paar Tage hier und kann deshalb vielleicht auch schon
ein wenig ueber den Tellerrand gucken, sodass ich mit einer kritischen Frage
schliessen moechte:
Warum kuemmert sich eigentlich eine Gesellschaft, die aus dem tiefen Inneren
an Gott glaubt, ihn 7 mal in der Woche zu allen Tages-, Nacht- und
Mahlzeiten preist, Alkohol als Suende verdammt, nur religioese Musik
erlaubt, (in meinen Augen) so wenig um die Armen und Verstossenen, die hier
ueberall am Wegesrand herumlungern und betteln, um diejenigen, die nicht
genuegend Geld fuer ordentliche Kleidung haben und deshalb in Lumpen und
Barfuss ueber die modrigen Strassen Dembis trotten oder um die Jugend, die
vor lauter Zeit anscheinend nicht weiss, was sie damit anfangen soll?
PS.: Danke noch fuer alle Geburtstags- und Besserungswuensche!
Liebe Gruesse:
Hanno
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