Sonntag, 23. September 2007
Das Ferenji-Prinzip
Das Ferenji-Prinzip ist keine hochtrabende Theorie fuer die man einen komplizierten Loesungsansatz brauchen wuerde. Ganz im Gegenteil, eigentlich kann man das Ferenji-Prinzip ganz leicht erklaeren. Ueberall wo ich bin, ist auch das Wort Ferenji zu hoeren, was so viel wie Fremder oder Weisser bedeutet.Wahlweise wird mir auch “You, you, you you, You!”, “Where are you go?” oder “What is your name?” hinterhergerufen. Dies erzeugt dann meistens Kichern oder Lachen der Anwesenden.
Am haeufigstens tritt das Ferenji-Prinzip in Erscheinung wenn man Kinder trifft, was hier nun mal ziemlich oft passiert, oder wenn man an einem der zahlreichen “Shoe-shine” Huetten vorbeikommt, wo sich Kinder und Jugendliche ein paar Birr am Tag verdienen.
Fand ich es am Anfang noch ganz lustig so viel Beachtung zu finden, vor allem wenn kleine Kinder mich von weitem sahen, Ferenji schrien und in einer Horde auf mich zugerannt kamen, nervt es jetzt eher. Egal wo ich hingehe, ueberall falle ich aufgrund meiner Hautfarbe auf (so wie das Gluehwuermchen in der Nacht), jeder will mit mir reden, egal ob er was zu sagen hat oder nicht und mich anfassen. (Das Anfassen ist manchmal schon etwas unangenehm!) Viele denken halt, dass ich nicht echt bin. Jetzt weiss ich wenigstens, wie sich Tiere im Zoo fuehlen muessen.
Den Jungs mit denen ich oefters mal Volleyball spiele, konnte ich schon beibringen, dass ich nicht Ferenji heisse, sondern einen Namen habe. Hanno koennen sie sich zwar nicht merken, John tut es aber irgendwie auch. Der Rest wird es vermutlich nie verstehen. Ich bin schon gespannt wie es klingen wird, wenn 80 Schueler “Good morning Ferenji” sagen werden.
Eine weitere Besonderheit des Ferenji-Prinzips ist, dass ich von vielen Leuten als wandelnder Geldbeutel angesehen werde. Hier und dort erzaehlen mir fremde Menschen traurige Geschichten und verlangen Geld von mir. Als ob Geld die Loesung aller Probleme waere. Doch kann ich nicht jedem Geld geben, ansonsten hab ich selber bald keins mehr.
Diejenigen, die ich schon etwas besser kennengelernt habe, wollen zwar kein Geld von mir, sie wollen mir aber jegliche Arbeit abnehmen. Das gehoert halt auch zum Ferenji-Prinzip. Ein Rucksack mit ein bisschen Klimbim vom Markt ist fuer einen Weissen doch viel zu schwer und deshalb wollen sie ihn unbedingt tragen. Und das Brot fuers Fruehstueck duerfe ich doch nicht am Vorabend kaufen, denn sie wuerden es mir natuerlich auch am naechsten Morgen frisch besorgen und nach Hause bringen. Sowieso werde ich immer bis vor meine Haustuer begleitet, damit sie wissen, dass ich auch gut angekommen bin.
So ist das hier halt und oftmals weiss ich gar nicht wie ich darauf reagieren soll. Man moechte ja nichts Besonderes sein, dass lassen sie aber nicht gelten, schliesslich bin ich ja weiss.
Naja, ich werde mich wohl oder uebel daran gewoehnen muessen.
Liebe Gruesse:
Hanno
Ps.: Ich habe doch beim letzten Eintrag eine Kuriositaet vergessen. Aethiopien hat nicht nur ein Jahr mit 13 Monaten, sondern auch eine andere Zeitzaehlung. Der neue Tag beginnt nicht um Mitternacht, sondern mit dem Sonnenaufgang. Dies ist 1 Uhr. Die Zeit wird dann weitergezaehlt bis die Sonne untergeht, was dann so gegen 12 Uhr ist. Dann beginnt die Nacht wieder mit 1 Uhr. Man rechnet also mit 12 Stunden Tageslicht und 12 Stunden Dunkelheit. Macht ja halt auch irgendwie 24 Stunden.
Das ganze kann aber ganz schoen verwirrend werden, wenn man sich mit jemandem verabreden will und jeder seine gebraeuchliche Zeitangabe verwendet!






Am haeufigstens tritt das Ferenji-Prinzip in Erscheinung wenn man Kinder trifft, was hier nun mal ziemlich oft passiert, oder wenn man an einem der zahlreichen “Shoe-shine” Huetten vorbeikommt, wo sich Kinder und Jugendliche ein paar Birr am Tag verdienen.
Fand ich es am Anfang noch ganz lustig so viel Beachtung zu finden, vor allem wenn kleine Kinder mich von weitem sahen, Ferenji schrien und in einer Horde auf mich zugerannt kamen, nervt es jetzt eher. Egal wo ich hingehe, ueberall falle ich aufgrund meiner Hautfarbe auf (so wie das Gluehwuermchen in der Nacht), jeder will mit mir reden, egal ob er was zu sagen hat oder nicht und mich anfassen. (Das Anfassen ist manchmal schon etwas unangenehm!) Viele denken halt, dass ich nicht echt bin. Jetzt weiss ich wenigstens, wie sich Tiere im Zoo fuehlen muessen.
Den Jungs mit denen ich oefters mal Volleyball spiele, konnte ich schon beibringen, dass ich nicht Ferenji heisse, sondern einen Namen habe. Hanno koennen sie sich zwar nicht merken, John tut es aber irgendwie auch. Der Rest wird es vermutlich nie verstehen. Ich bin schon gespannt wie es klingen wird, wenn 80 Schueler “Good morning Ferenji” sagen werden.
Eine weitere Besonderheit des Ferenji-Prinzips ist, dass ich von vielen Leuten als wandelnder Geldbeutel angesehen werde. Hier und dort erzaehlen mir fremde Menschen traurige Geschichten und verlangen Geld von mir. Als ob Geld die Loesung aller Probleme waere. Doch kann ich nicht jedem Geld geben, ansonsten hab ich selber bald keins mehr.
Diejenigen, die ich schon etwas besser kennengelernt habe, wollen zwar kein Geld von mir, sie wollen mir aber jegliche Arbeit abnehmen. Das gehoert halt auch zum Ferenji-Prinzip. Ein Rucksack mit ein bisschen Klimbim vom Markt ist fuer einen Weissen doch viel zu schwer und deshalb wollen sie ihn unbedingt tragen. Und das Brot fuers Fruehstueck duerfe ich doch nicht am Vorabend kaufen, denn sie wuerden es mir natuerlich auch am naechsten Morgen frisch besorgen und nach Hause bringen. Sowieso werde ich immer bis vor meine Haustuer begleitet, damit sie wissen, dass ich auch gut angekommen bin.
So ist das hier halt und oftmals weiss ich gar nicht wie ich darauf reagieren soll. Man moechte ja nichts Besonderes sein, dass lassen sie aber nicht gelten, schliesslich bin ich ja weiss.
Naja, ich werde mich wohl oder uebel daran gewoehnen muessen.
Liebe Gruesse:
Hanno
Ps.: Ich habe doch beim letzten Eintrag eine Kuriositaet vergessen. Aethiopien hat nicht nur ein Jahr mit 13 Monaten, sondern auch eine andere Zeitzaehlung. Der neue Tag beginnt nicht um Mitternacht, sondern mit dem Sonnenaufgang. Dies ist 1 Uhr. Die Zeit wird dann weitergezaehlt bis die Sonne untergeht, was dann so gegen 12 Uhr ist. Dann beginnt die Nacht wieder mit 1 Uhr. Man rechnet also mit 12 Stunden Tageslicht und 12 Stunden Dunkelheit. Macht ja halt auch irgendwie 24 Stunden.
Das ganze kann aber ganz schoen verwirrend werden, wenn man sich mit jemandem verabreden will und jeder seine gebraeuchliche Zeitangabe verwendet!
Kommentare:
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Moin Hanno.
Na das koennen wir ja nicht so lassen. Ein Blog-Eintrag von Dir ganz ohne Kommentar??? Das geht aber nicht. Nicht, dass Du noch denkst, hier denke niemand mehr an Dich.
Also fuellen wir diesen bisher leeren Bereich mal eben mit ein paar Zeilen und Gruessen aus der Heimat.
Denn bis denn.
Ramon
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Na das koennen wir ja nicht so lassen. Ein Blog-Eintrag von Dir ganz ohne Kommentar??? Das geht aber nicht. Nicht, dass Du noch denkst, hier denke niemand mehr an Dich.
Also fuellen wir diesen bisher leeren Bereich mal eben mit ein paar Zeilen und Gruessen aus der Heimat.
Denn bis denn.
Ramon
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