Freitag, 14. September 2007

 

Ein neues Jahrtausend

Nein, ich habe keine Zeitreise gemacht, weder in die Zukunft, noch in die
Vergangenheit. Wobei ich mir mit der Vergangenheit manchmal nicht so sicher
bin! Aethiopien ist mit einer siebenjaehrigen Verspaetung nun auch im 21.
Jahrhundert angekommen. (Jaja Juergen, da hast Du im Radio richtig
zugehoehrt.)
Aethiopien hat naemlich eine weltweit einmalige Zeitrechnung. Sie ist
aehnlich dem von Julius Caesar eingefuehrten Julianischem Kalender, aber mit
einigen Abweichungen. Es gibt zwoelf Monate mit 30 Tagen und noch einen mit
fuenf oder sechs Tagen. Das Motto des Landes lautet daher: 13 Monate
Sonnenschein. (Dafuer gibt es momentan aber ziemlich viel Regen!) Mehrere
Korrekturen und haeufigere Schaltjahre haben zu dem Unterschied von sieben
Jahren, neun Monaten und zwoelf Tagen gegenueber dem gregorianischen
Kalender gefuehrt.
Wenn ich mir vorstellen wuerde, dass wir nochmal das Jahr 2000 haetten, dann
waere ich zwar sieben Jahre juenger, aber ich muesste dieses Jahr das Abitur
ablegen und haette noch das ganze Studium vor mir. Nein danke, da bleib ich
doch lieber bei unserer Zeitrechnung.
Der Hype um das Millennium haelt hier schon seit einiger Zeit an und wird
dies wahrscheinlich auch noch ein paar Wochen tun. Wurde deshalb doch zu
meinen Ungunsten der Schulbeginn auf den 1. Oktober verschoben. Bis dahin
habe ich also noch Ferien.
Die grosse Milleniumparty ging in Addis ab, doch dies ist dummerweise nunmal
zwei Tage Autofahrt entfernt. Mit ein paar Freunden konnte ich aber bei ein
paar Bier und “Uno” das ganze Spektakel am Fernseher verfolgen. Im Stadion
und am Flughafen wurde mit Folklore gefeiert. Wer hingegen Geld hatte,
konnte in der eigens fuer die Jahrtausendfeier gebauten Halle bei Rock- und
Popmusik ins Millennium rutschen. Wir verweilten hingegen lieber beim Bier
und Karten spielen.
Am Neujahrstag gab es dann einen kulinarischen Festschmaus. Ein paar Tage
zuvor hatten Dabala, Ali und ich auf dem Markt ein Huehnchen gekauft
(natuerlich ein lebendes Huehnchen! Alles was man hier kaufen kann ist noch
nicht zum Verzehr zubereitet.), was es dann zum Abendessen gab. Inklusive
schlachten, entfedern, waschen, ausnehmen, und wieder waschen usw., hat der
ganze Spass mindestens vier Stunden gedauert. Ali und Dabala haben die
meiste Arbeit uebernommen, da dies alles fuer mich Neuland war. Ich habe
dafuer genuegend Fotos gemacht.
Eigentlich hatte ich schon ziemlich viel Mitleid mit dem Huhn, hatte ich es
doch noch lebend gekauft. Eine Weile hatte ich deshalb auch ueberlegt, ob
ich nicht Vegetarier werden sollte. Doch diese Alternative wuerde bedeuten:
Kohl, Kohl und nochmals Kohl! Da musste ich wohl ueber meinen Schatten
springen.
Es hat aber auch wirklich hervorragend geschmeckt. Stammte es doch auch
nicht aus der Massentierhaltung und war nicht mit Antibiotika vollgestopft.
Waehrend der Zubereitung kamen an der Kueche am Neujahrstag auch immer
wieder Kinder vorbei, die uns ein Staendchen brachten. Kindergeschrei mit
Trommeln!
So gesehen war es zu unserem ersten Tag im neuen Jahr eine gelunge
Abwechslung. Wacht man doch sonst immer am 1. Januar mit einem dicken
Schaedel auf und verbringt den Tag im Bett oder vor dem Fernseher.
Soweit von mir. Neujahrsgruesse sind natuerlich willkommen!
Liebe Gruesse:
Hanno






Kommentare:
Ja Hanno, da gratulier ich auch gleich mal herzlich! Damit bist du wohl einer der relativ wenigen Menschen, die zwei Jahrtausendfeiern in ihrem Leben vorweisen können.

Ich dagegen befinde mich ja dank der Option "Buddhistisches Datum" auf meinem Handy schon lange im Jahre 2550 und kann über die Rückständigkeit sowohl Äthiopiens als auch der restlichen Welt nur gütig lachend den Kopf schütteln.
 
Was sind schon sieben Jahre in Tibet? Und was würde Herr Stallone zu all dem sagen? Mit seiner Silhouette hätte er bestimmt ein Hühnchen zu rupfen!

Der ganzen Zeitverschiebung kann ich nur entgegenhalten: Schaltjahre wie 2000 gibts im Kalender der böhmischen Dörfer eh nicht! Da käm keine Verwirrung auf. Man lebt nämlich nach dem Mondkalbkalender: Sternhagelvoll, abnehmend, Mondfinsternis, zunehmend, sternhagelvoll!

War Budd Spencer eigentlich Buddhist?

Egal, auch von mir einen guten Senkrechtstart ins neue Jahrtausend!
 
wie sagt man doch im Volksmund: Doppelt haelt besser, wah?

Na dann noch nen Frohes neues Jahrtausend ^^

Grüße von hinter der "Weißwurstgrenze" sendet Tina
 
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