Mittwoch, 26. September 2007

 

Samarroo

Naja, eigentlich wollte ich die Tage ja nach Challja fahren, um dort ein paar Deutsche zu besuchen. Die Tasche war schon gepackt, die Butterbrote geschmiert und das Wasser fuer einen ganzen Tag aufgefuellt. Da es allerdings die ganze Nacht wie aus Eimern geregnet hatte, bin ich am naechsten Morgen um 5 Uhr in der Dunkelheit eher zum Busbahnhof geschwommen als gelaufen. Da der Bus, fuer den Dabala und ich schon Fahrkarten hatten (sein Bruder Arassa war noch frueher aufgestanden, um uns diese zu besorgen), bestueckt war mit Reifen ohne jegliches Profil und ich den klitschnassen Strassen nicht vertraue, entschloss ich mich also wohl oder uebel die ganze Aktion abzubrechen und die Fahrkarten wenigstens noch zur Haelfte des Oeriginalpreises unter den Mann zu bringen. (Auch hier herrscht der Kapitalismus!) Es war zwar schade, aber irgendwie geht die Sicherheit ja doch vor. So muss ich fuer groessere Touren wohl auf die Trockenzeit warten!

Da ich aber jetzt auch schon etwas von Dembis Umgebung sehen und erleben wollte, entschloss ich mich mal den Weg zurueckzulegen, den so viele Menschen immer am Markttag entlang laufen. Ich wollte sowieso schon die ganze Zeit wissen, wo die alle herkommen.

Mein Weg fuehrte mich ueber Stock und Stein auf den ueblichen Lehmstrassen entlang an den schon so vertrauten Feldern, wo Maenner und Frauen arbeiten, in das benachbarte Samarroo. Doch bevor ich dort ankommen sollte, hatte ich bergauf – bergab noch eine gute Stunde Fussweg vor mir. Entlang an einem Fluss an dem Kinder spielten, sich wuschen und Wasser schoepften, hoerte irgendwann der Lehmpfad auf und es ging querfeldein durch Korn- und Maisfelder, bis irgendwann die ersten Huetten mit Strohdach auftauchten. Im Laufe des Weges wurden es immer mehr Huetten vor denen vor allem Ziegen grasten und Kinder spielten. (Es sei an das Ferenjii-Prinzip erinnert!)

Fuehle ich mich doch in Dembi Dollo schon manchmal wie in einem Dorf (die Bezeichnung Stadt ist auch wirklich uebertrieben), befand ich mich nun wirklich im Niergendwo! Neben Huetten, Tieren und ein paar Menschen gab es dort wirklich gar nichts. Hier verbringt also die Dorfbevoelkerung ihr Leben, wenn sie nicht auf den umliegenden Feldern arbeitet oder zweimal die Woche mit vollbeladenen Eseln in Richtung Markt maschiert. Es muss ein hartes Leben sein, ohne jeglichen Komfort und schwerer Arbeit fuer alle Familienmitglieder. Alle Dinge die erwirtschaftet werden, werden wohl hauptsaechlich auf dem Markt verkauft, wobei ich mir gar nicht sicher bin, wofuer man in Samarroo ueberhaupt Geld braucht. Kaufen kann man dort nichts!

Am Ende des Dorfes kam ich an dem wohl faszinierendsten Baum vorbei den ich hier bisher gesehen habe. Dahinter erstreckte sich dann wieder die ganze Weite Aethiopiens, in der ich wahrscheinlich nach ein paar Stunden zu Fuss weitere Doerfer gefunden haette, wo Mensch und Tier in Strohhuetten zusammen leben.

Ich entschied mich aber umzukehren, denn so viel Zeit hatte ich nicht mehr bis zum Sonnenuntergang. Eine Fortsetzung ins Leben der aethiopischen Dorfbevoelkerung folgt aber bestimmt.

Liebe Gruesse:

Hanno


Ps.: Bjoern B., Dir wuensche ich alles, alles Gute zum Geburtstag und einen wunderbaren Start ins Referendariat. Halt die Ohren steif und trink ein Bier fuer mich mit!

LG: Hanno








Kommentare:
Ach Hanno, hab doch mehr Vertrauen zu den Fahrkünsten der Einheimischen; dein Kumpel ist doch bestimmt auch mitgefahren, oder. Aber so eine schöne Wanderung durch die "ländliche" Gegend hat natürlich auch was für sich; vor allem so touristen-unvorbereitet. Als ich mal in Kenia war, haben wir zar auch einen Ausflug in die ländliche Gegend gemacht und man zeigte uns angeblich das "ganz natürliche Leben" der Dorfbewohner.
Zu guter letzt: !!!Warnung!!!
Unsere Lieblingskanzelerin hat einen Besuch im schönen Äthiopien angekündigt! Be aware...
 
Hey Abenteurer, thanks fuer die Wuensche, aber auch thanks fuer das Blog, das ist mal damn interesting, I tell ya!

Ich gruesse auch zurueck, und zwar mit nem herzlichen Slainte oder besser Cheers mate, denn ich bin grad in (London)Derry! Ich checke irgendwie grad hier die ganzen Sachen aus, ueber die wir im Fruehjahr voellig verpeilt Pruefungen gemacht haben! In Belfast ist mir was krasses passiert...mitten im Ex-Buergerkriegsviertel verlaufen und getrampt...mitgenommen hat mich ne Sozialarbeiterin von http://www.extern.org/restorative/Alternatives.htm !!!
Hier schau ich mir jetzt mal an wo der Bloody Sunday war.
Jutjehens, deine Fotos sind klasse! Man kann es sich richtig ein bischen vorstellen wie es ist!

Freue mich schon auf deine teaching experiences und aufs Quatschen spaeter! Ihr koennt ja mal nach B.H. kommen, hihi, da ist bestimmt nen Zimmer fuer euch frei ;-D !!!

Greetz, Don Pimp aka Bloody Bjoern
 
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