Montag, 8. Oktober 2007

 

Schulalltag?

Nach einer Woche der vergnuegsamen Ruhe ist nun endlich auch ein wenig Leben in die Schule gekommen. Die letzten Baenke in der Klasse haben sich gefuellt und auch im Lehrerzimmer begegne ich erfreulicherweise immer wieder neuen Gesichtern. Es scheint, dass sich die Institution Schule so langsam von einem Ort der Verwahrung zu einem Ort des Lehrens und Lernens entwickelt. Es wurde ja auch Zeit!

Meine Schueler kenne ich aber noch nicht mit Namen. Es sind einfach zu viele und ausserdem ist der Klang der Namen mir auch ziemlich unvertraut: Abdi, Leensaa, Yardessa und Boscho sind nur einige Beispiele.

Was die Beteiligung meiner Schueler angeht, ist die 7. Klasse wirklich spitze. Es macht einfach Spass mit ihnen zu arbeiten. Manchmal ist es aber auch schwer sie vor lauter Enthusiasmus zu bremsen. Dann wird mir naemlich aus achtzig Kehlen “teacher, teacher, teacher” entgegengebruellt. Eigentlich ganz lustig, es ist aber unmoeglich alleine dagegen anzukommen.

Was die 8. Klasse betrifft, korrigiere ich meine letzte Aussage. Ich habe naemlich mittlerweile das Gefuehl, dass mich ¾ von den anwesenden Schuelern nicht verstehen. Einige sind wirklich gut, die meisten koennen aber halt kein Englisch. Anscheinend sind sie in den letzten Jahren einfach so mitgezogen worden. Naja, mein Problem ist dies ja eigentlich nicht, aber wenn sie naechstes Jahr eine weiterfuehrende Schule besuchen moechten, dann muessten sie eigentlich ziemlich heranklotzen, denn ab der Klasse 9 ist jeder Unterricht in der englischen Sprache.

Also kam ich auf die spitzen Idee die Klasse in zwei Gruppen zu unterteilen. Eine Klasse mit achtzig Schuelern ist ja eigentlich sowieso viel zu gross! Eine Gruppe mit der man etwas schneller arbeiten kannn und eine Gruppe, in der man halt nochmal etwas die Grundlagen wiederholt oder ueberhaupt erst erlernt.

Nach einer laenger Diskussion mit dem Schulleiter habe ich auch endlich die Erlaubnis dafuer bekommen. Nun steht dem ganzen Versuch nichts mehr im Weg und ich kann morgen damit beginnen. Dadurch wird meine Freizeit natuerlich ein wenig geringer, aber was tut man nicht alles fuer das Wohl seiner Schueler. Ausserdem wollte ich schon immer gegen das Vorurteil ankaempfen, dass Lehrer faul sind. Oder sind sie das wirklich??

Naja, ich werde euch bezueglich des Versuchs auf dem Laufendem halten und ausserdem moechte ich diese Woche auch noch mit dem Theaterprojekt beginnen.

In diesem Sinne geh ich jetzt wieder zurueck an die Arbeit.

Liebe Gruesse:

Hanno



Kommentare:
Moin moin.

Na von diesem Arbeitseifer haette sich so manch einer unserer alten Lehrer echt noch was abgucken koennen. Hoffentlich verlierst Du den nicht ueber die Jahre als Leherer, dass spaetere Schuelergenerationen nicht so ueber Dich reden werden.

Aber das glaube ich nicht. Dann lass's Dir mal gut gehen, und sei gegruesst aus dem guten alten Witten.

Ramon...
 
Moin Hanno!

Das klingt ja mal echt nach Initiative!Musste auch schon bei deinem letzten Bericht sehr grinsen!
Ich will mir gar nicht vorstellen wie das endet, wenn du ne Arbeit schreiben lässt...bei den ganzen Schülern!

Ich hatte übrigens am Mittwoch ein Vorstellungsgespräch in Zürich und wie es aussieht,könnte ich da ab Dezember ne Doktorarbeit schreiben!Wie krass wer dat denn?!?

Ab Montag weiß ich definitiv bescheid... die Personalerin und der Berteuer haben Ihren Segen schon gegeben und nun fehlt nur noch der Prof, der war aber bei dem Gespräch gar nicht dabei und daher wüsste ich nicht, was der dagegen haben sollte!

Bis dahin
B-tina
 
Hallo Hanno,
nun bist Du ein fleißiger unermüdlicher Lehrer und kannst sicher mit diesen Erfahrungen ne Menge profitieren. Welche Unterschiede es auf diesem Planeten gibt zeigt Deine Arbeit, bei Dir geht es um elementares Wiseen und hier in Deutschland bringen die Kultusminister keine einheitlichen Abiturabschluß hin. Sei froh dass Du wenigstens für einige Zeit diesem Bürokratiesumpf Deutschland nicht ausgesetzt bist. Halt die Ohren steif.
Alles Gute
von Karl-Otto
 
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