Montag, 12. November 2007

 

“Maehh” – Ich fuehlte mich wie ein Schaf

Jetzt wohne ich schon fast eine ganze Woche auf dem “BESS-Compound” und ich lebe wie “Gott in Frankreich”. Endlich kann ich wieder heiss duschen, was ich auch jeden Abend ausgiebig ausnutze, denn bald werde ich wieder mit meiner kalten Dusche vorlieb nehmen duerfen.

Stromausfall interessiert mich momentan auch nicht im geringsten. Auch wenn ich noch keinen eigenen Generator habe (Juliane und Bjoern, koennt ihr euch noch an die Dieselgeneratoren der Inder in Agra erinnern?) oder eine Autobatterie fuer den Haushaltsbedarf, wie meine “neuen Nachbarn” Elke und Michel, so kann ich doch wenigstens wenn der Elektorherd ausfaellt auf Gas umschalten. Das ist doch auch schon etwas. In meiner anderen Bude musste ich mittags schon vorausplanen. Vor allem wenn ELPA da war! Dies hiess vor allem schon mal den Bokollo (Mais) und die Eier vorkochen. Diese Sorgen muss ich mir zur Zeit nicht machen.

Ausserdem bekome ich auch jeden morgen Milch ganz frisch von der Kuh geliefert. Diese muss man zwar noch abkochen und sie riecht auch immer etwas streng, aber ich bin trotzdem sehr froh darueber. Bekommt man Milch doch ansonsten kaum oder nur mit guten Beziehungen.

Es ist schon interessant, wie schnell und simpel man nach drei Monaten Aethiopien mit den einfachsten Dingen zufrieden ist.

Das beste ist allerdings die Gesellschaft von Hailey. Sie ist einfach klasse und ich glaube ich moechte auch einen Hund haben, wenn ich wieder in Deutschland bin. Wenn man so das erste mal eine gewisse Zeit auf einen Hund aufpassen darf, abgesehen von Hilkes Hunden in der Einstein 10, wird einem so richtig bewusst, warum man den Hund als den “besten Freund des Menschen” bezeichnet.

Sorge ich als Weisser doch sowieso schon immer genug fuer Aufregung, mache ich dies noch umso mehr. Hier fuehrt man naemlich hoechsten Kuehe, Schafe, Ziegen oder Esel an der Leine, aber gewiss keinen Hund! Und so werde ich regelmaessig von allen Aethiopiern belaechelt, wenn mit Hailey an der Leine spazieren gehe.

Wo wir nun schon bei Tieren sind, ja Karl-Otto, du hast vollkommen recht, ich habe einen ganzen Zoo um mich herum. Die Ratten hinterlassen weiterhin Spuren ihres Daseins, meine Nachbarn die Wennys (Affen), die regelmaessig auf meinem Dach herumtanzen, vermissen mich bestimmt auch schon sehr und ist das nicht schon genug, hatte ich die Tage auch noch so um die fuenfzig Fliegen in meiner Kueche.

Die Synode hat momentan neue Gaeste, die unter meiner Wohnung im “Guest-House” untergebracht sind. Da meine Schule gleich um die Ecke ist, gucke ich auch jeden Tag vorbei und schaue nach dem rechten.

Die Koechin des Gaestehauses fragte mich bereits vor einigen Tagen, ob ich ca. 10 Kilo Fleisch in meinem Kuehlschrank fuer die Gaeste lagern koennte. Da Aethiopier solch ein technisches Geraet normalerweise nicht benutzen, willigte ich ein. Was fuer ein Fehler!! Haette ich vorher gewusst, dass die Gaeste doch tatsaechlich Inder sind, haette ich niemals eingewilligt. Meine Vermutung bestaetigte sich naemlich sehr schnell und die Inder sind Vegetarier, sodas die Koechin das ganze Fleisch nicht unter den Mann und die Frau bringen konnte. Solch eine Weitsicht konnte die gute Dame natuerlich auch nicht haben (hat sie doch wahrscheinlich noch nie Dembi Dollo verlassen und weiss auch nicht wo Indien liegt), man haette sie diesbezueglich aber durchaus informieren koennen. Informationen sind hier aber sehr rar und so vergammelte das Fleisch so ca. eine Woche in meinem Kuehlschrank, der natuerlich auf Grund von ELPA nicht dauerhaft kuehlt.

Als ich dann diesen Samstag in meiner Wohnung vorbeischaute, es furchtbar stank und alles voller Fliegen war, war das Ende meiner Geduld erreicht und ich bat die Koechin hoeflich aber bestimmt das Fleisch zu entfernen und den Kuelkschrank zu putzen. Zuerst hatte sie zwar nicht so richtig Lust, erledigte dann aber doch alles bereitwillig. Die Fliegen bin ich gluecklicherweise mit “Diditii” (Insektenvernichter) losgeworden.

Ich bin allerdings nicht nur von einem Zoo umgeben, manchmal fuehle ich mich auch wie ein Tier in einem. Genuaer gesagt, ich fuhlte mich wie ein Schaf in einem Streichelzoo!

Da die Matte auf meinem Kopf immer laenger und es somit auch immer heisser wurde, habe ich mich entschlossen zum Friseur zu gehen. In einem aethiopischen Friseursalon gibt es allerdings keine Scheren, sondern nur Rasierer. So guckte ich mir das ganze erst einmal an und hatte ein wenig das Gefuehl, dass die Kunden eher wie Schafe geschoren als frisiert wurden. Nun ja, die Wolle musste halt ab und fuer 6 Birr (umgerechnet ca. 60 Cent) habe ich neben der Haarrasur sogar noch eine Rasur mit dem Phili-Shave, purem Alkohol als After-Shave und “Hair-Fluid” gratis dazu bekommen. Nichtsdestotrotz fuehlte ich mich wie ein Schaf in einer Massenabfertigung.

In diesem Sinne “Maehh” und liebe Gruesse bis zum naechsten Eintrag:

Hanno




Kommentare:
Mahlzeit Herr Fromm!

Also wenn das wirklich alles war, was die Dir an Haaren abgeschnitten haben, so wie man Dich auf dem Photo mit dem kleinen Hund sieht, dann bist doch noch gut davon gekommen. Schafe werden doch schon fast kahl geschoren. Aber das wird Dir wohl nicht so gut stehen... ;-)

Na dann mal viele Gruesse von weit weg.

Ramon
 
Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]





<< Startseite

This page is powered by Blogger. Isn't yours?

Abonnieren Posts [Atom]