Samstag, 17. November 2007

 

Schuleindruecke

Schuleindruecke gewaehrt man nicht jedem, es sei denn man ist Auslaender und bringt viel Geld mit. Aber auch dann gewaehrt man nicht wirklich tiefe Eindruecke in das Schulleben, sondern man versucht lieber eine Augenwischerei zu betreiben. D.h., dass man alles Gute hervorhebt und das Schlechte unter den Teppich fegt.

So auch in unserem Fall. Kaum ruecken ein paar Amerikaner und Inder an, entsteht in der Schule schon die absolute Hektik. Ploetzlich versucht man naemlich den Schueler, das einzelne Individuum in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen. Der Wandel von einer Massenabfertigung hin zum Schuelerzentrismus vollzog sich ziemlich schlagartig und wurde mir bis gestern gar nicht so bewusst. Dies wird sich aber wahrscheinlich genauso schlagartig zurueckverwandeln, wenn die Gaeste nicht mehr hier sind. Zur Zeit sieht man gluecklicherweise auch keinen Lehrer mit einem Stock herumlaufen. Wuerde es sich hierbei um einen althergebrachten Zeigestock handeln, dort ein adaequates Hilfsmittel wo es den modernen Pointer noch nicht gibt, wuerde gegen die weitere Verwendung des Stocks wohl nichts einzuwenden zu sein. Da man ihn momentan aber aus allen Klassenzimmern verbannt hat (ich bin mir allerdings auch hier sicher, dass dieser bald zurueckkehren wird), weiss man wohl um das Unrecht, dass man ansonsten begeht.

Wuerde es zu lange dauern alle weiteren Veraenderungen des Schulalltags aufzuzaehlen, moechte ich aber noch auf die heutigen Ereignisse zurueckgreifen.

Bin ich es doch schon gewohnt, dass ich im Kollegium Informationen immer als letzter mitbekomme, musste ich aber heute schmunzeln, als auch wirklich keiner meiner Kollegen eine Ahnung von dem heutigen Fest hatte. Die Besucher hatten aus unersichtlichen Gruenden ein Fest organisiert, wofuer niemand den Grund kannte. Dementsprechend gross war die Aufregung und zu meiner Erheiterung sprangen alle wie aufgeschreckte Huehner herum.

Auf Fotos fuer die Heimat macht sich ein bunter Schulcampus und ein “gestelltes” Schulfest besser und kann man so auch leichter Spendengelder locker machen. In finanzielle Angelegenheiten habe ich natuerlich keinen Einblick und verbitte mir daher auch jades Wort darueber. Ein lautgedachter Gedanke sei aber dennoch erlaubt: Manchmal fragt man sich schon, ob die Gelder auch ueberhaupt dort ankommen, wofuer sie gespendet wurden.

So bescheisst man halt und will letzten Endes auch beschissen werden!

Euch, meinen treuen Leserinnen und Lesern, gestatte ich hingegen sehr gerne kostenlose und tiefe Einblicke in mein Schulleben. Muesst ihr doch sowieso auf meine Worte vertrauen und koennt euch nicht vom Gegenteil ueberzeugen.

Die Begeisterung der Schueler am Sport haelt weiter an, sodas ich mich mit Wandossen zusammengetan habe und zur Zeit mit ihm ein Fussballturnier organisiere. Dies soll allerdings nicht gestellt sein, sondern den Schuelern richtig Spass machen. Aber auch den Lehrern, denn es soll auch eine Lehrermannschaft geben. Ich bin schon sehr gespannt, was dabei herum kommt.

Das Theaterprojekt neigt sich so langsam auch seinem Hoehepunkt entgegen, in zwei Wochen soll Premiere sein. Bis dahin gibt es aber noch viel Arbeit.

Spucke ich nun wohl lieber in die Haende und beginne damit.

Viele liebe Gruesse und bis die Tage:

Hanno

Ps.: Hallo Bettina,

da habe ich Deinen Geburtstag doch nun schon zum x-mal vergessen. Hole ich es auf diesem Weg einfach nach. Also, alles, alles gute nachtraeglich zum Geburtstag und das alle Deine Wuensche in Erfuellung gehen moegen.

Liebe Gruesse auch an Deine Familie:

Hanno





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