Samstag, 28. Juli 2007

 

Kommunikationswege

Kommunikationswege sind vielseitig: man kann Sprechen, Singen, Trommeln, Rauchzeichen geben oder mit der Körpersprache arbeiten. Manchmal genügt auf Reisen schon ein falscher Gesichtsausdruck um seinen Gegenüber zu verärgern, oftmals aber auch schon ein kleines Lächeln um ihn zu erfreuen. Wie man in Äthiopien kommuniziert, vor allem mit Mimik und Gestik, werde ich in den nächsten Monaten herausfinden. Doch funktioniert Kommunikation über diesen Blog nur per Internet. Dies hat man in der westlichen Welt heutzutage überall, doch inwieweit ich dieses in Dembi Dollo nutzen kann, weiß ich momentan noch nicht…
Lasst Euch aber bitte nicht entmutigen, wenn in der ersten Zeit nicht sofort etwas Neues von mir auf dem Blog zu lesen ist. Ich werde die ersten Tage wahrscheinlich erst einmal brauchen um herauszufinden, wo ich an all die wunderbaren technischen Geräte komme, die ich zur Bedienung des Blogs brauche. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
In diesem Sinne, schaut einfach öfter mal auf dieser Seite vorbei wenn ihr im Internet seid!

Donnerstag, 26. Juli 2007

 

"Es ist vernünftiger eine Kerze anzuzünden, als über Dunkelheit zu klagen"

Nach dem absolvierten Abschluss, und hier zitiere ich Götz Widmann, folgt der wohlverdiente Abschuss. Jetzt, wo beides erledigt und letzeres ausgiebig ausgekostet wurde, könnte ich wohl beruhigt in das Referendariat gehen und in gut ausgerüsteten Räumen und kleinen Klassen mit 25 bis 30 hochmotivierten Schülern das praktische Handwerkszeug der Lehrerzunft erlernen, nachdem ich die letzten Semester die ganze notwendige Theorie für diesen Beruf pauken durfte. Ja, der ausgeschlafene Leser, es wird sich bestimmt auch mal ein Lehrer auf diese Seite verirren, bemerkt sofort die Übertreibung. Man könnte das ganze gewiss auch umdrehen und über die Situation an deutschen Universitäten und Schulen schimpfen und klagen. Hier würden mir bestimmt auch einige zustimmen und sagen, das ich so, sehr viel näher an der Realität liegen würde.
Und genau hier liegt der springende Punkt, genau der Punkt, der mich letztendlich dazu veranlasst hat, dies zu tun, was ich tun werde, nämlich als Englischlehrer an eine Schule in der Kleinstadt Dembi Dollo, im äthiopischen Hochland, gelegen an der Grenze zum Sudan, zu gehen, um dort Englisch zu unterrichten.
Oft bin ich auf Unverständnis getroffen, wenn ich Kommilitonen, Bekannten und Verwandten von meinen Plänen erzählt habe: "Ach Äthiopien. Was willst Du denn da, Junge? Dort gibt es doch nur Einöde, Trockenheit und hungernde Menschen.“
Ist dies wirklich so? Hätte es denn dann überhaupt einen Sinn dorthin zu gehen und unter solchen Umständen auch noch Englisch unterrichten zu wollen? Müsste man nicht eher andere humanitäre Hilfe leisten?
Ja und nein, denn ist Bildung nicht auch humanitäre Hilfe? Und gibt es nicht das Zauberwort ‚Hilfe zur Selbsthilfe’, wofür Bildung, sprich Wissen und dieses Wissen anwenden zu können, ausschlaggebend ist?
Und hier schließt sich der Kreis der so genannten Beweggründe.
In Äthiopien kann ich versuchen, und das meine ich wirklich Ernst, durch die sehr gute Ausbildung die ich genossen habe oder besser gesagt, genießen durfte, etwas denen zu geben, die nicht so viel Glück im Leben hatten wie ich. In Äthiopien kann ich versuchen, denen etwas beizubringen, die es wirklich nötig haben etwas zu lernen, weil sie in ihrem Land nicht in den Genuss von auffangenden Sozialsystemen kommen, sondern auf sich alleine gestellt sind und selber um ihr Glück kämpfen müssen.
In Äthiopien werde ich aber vermutlich auch vor mindestens 80 Schülern stehen und mit Medien "aus dem letzten oder vorletztem Jahrhundert" arbeiten. Adé Videorecorder und Powerpointpräsentation...
Doch bereitet mich nicht gerade dies auf das bevorstehende Berufsleben in Deutschland vor? Denn in Äthiopien kann ich lernen, die Dinge wieder zu schätzen, die für mich in meinem Leben selbstverständlich geworden sind. Vielleicht findet man auch über die, die Bildung wirklich nötig haben und für die Bildung nicht selbstverständlich ist, einen Weg hier Bildung wieder attraktiv zu machen und Schüler zu motivieren, Lernen als Spaß und nicht als Pflicht anzusehen.
So scheint das Licht der Kerze gleich in mehrfacher Hinsicht und erhellt hoffentlich auch das Dunkel der Zukunft!

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